© slgckgc [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
© slgckgc [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Warten auf Schweizer Erdbeeren lohnt sich – vor allem für die Natur

  • Mélanie Guillebeau
  • -

Um Konsumenten bereits im Februar mit Erdbeeren zu versorgen, werden die roten Früchte aus Südspanien importiert, wo deren Anbau verheerende Folgen für die Natur hat. Die EU-Komission hat auf diese Missstände reagiert und fordert die Spanischen Regierung zum Handeln auf oder ansonsten müsse sie sich vor dem Europäischen Gerichtshof verantworten.

Ab Mitte Mai können wir uns endlich wieder guten Gewissens den Bauch mit den süssen Früchtchen vollschlagen: Dann beginnt nämlich auch in der Schweiz die Erdbeersaison. Wer aber nicht so geduldig ist, der hat bereits ab Februar die Möglichkeit, sich im Supermarkt mit spanischen Erdbeeren einzudecken. In Anbetracht der gravierenden ökologischen Auswirkungen in der Anbauregion, sollte man sich aber die Frage stellen, ob sich das Warten nicht doch lohnt.

Durstige Erdbeeren

Nach Angaben des SRF werden 150 Liter Wasser – so viel passt in eine Badewanne – benötigt, bis eine handelsübliche Schale mit ausreichend Erdbeeren bestückt werden kann. Eine reichliche Menge Wasser. Insbesondere wenn man bedenkt, dass in der südspanischen Provinz Huelva, dem Hauptanbaugebiet, Wassermangel herrscht. Dessen ungeachtet werden Jahr für Jahr 300’000 Tonnen Erdbeeren in dieser Region geerntet. Um dies zu bewerkstelligen, haben Produzenten beinahe 1000 illegale Brunnen errichtet. Selbstredend, dass dies Spuren an der umliegenden Natur hinterlässt: Leere Flussbette, ausgetrocknete Böden und abgestorbene Pflanzen bleiben zurück.

UNESCO-Weltnaturerbe muss Erdbeerfeldern weichen

Von diesen Umständen ist der Nationalpark Coto de Doñana, ein nahe gelegenes UNESCO-Weltnaturerbe, besonders stark betroffen. Bisher wurden bereits 80 Prozent der Wasservorkommen im Feuchtgebiet für die Landwirtschaft – allen voran die Erdbeerproduktion – angezapft (naturschutz.ch berichtete). Das nimmt auch die EU-Komission nicht ohne Weiteres hin und stellt der spanischen Regierung ein Ultimatum. Sollte der Schutz des Nationalparks nicht ernsthafter umgesetzt werden, so muss sich Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof verantworten.

Die Feuchtgebiete der Coto de Doñana ist ein wichtiger Überwinterungsstandort für Zugvögel und Heimat vieler seltener Vogelarten. Die zunehmende Landwirtschaft setzt dem Unesco-Naturerbe aber zu. | © slgckgc [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Feuchtgebiete der Coto de Doñana sind ein wichtiger Überwinterungsstandort für Zugvögel und Heimat vieler seltener Vogelarten. | © Antonio [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wie so oft besteht auch dieses Problem nicht erst seit Kurzem. Bereits 2012 hat „Kassensturz“ Migros und Coop auf die misslichen Produktionsbedingungen hingewiesen, woraufhin die beiden Grossverteiler Besserung gelobten. Mittlerweile setzen deren Lieferanten die weit sparsamere Tröpfchenbewässerung in Verbindung mit Feuchtigkeitssensoren ein. Auf diese Weise sollen gut 30 Prozent Wasser eingespart werden.

Gleichzeitig sollte aber an die Vernunft der Konsumenten appelliert werden. Denn am Wirksamsten wird wohl ein Verzicht auf die spanischen Erdbeeren seitens der Konsumenten sein. Und wer sich in Geduld fasst und nur einheimische Erdbeeren kauft, tut damit nicht nur der Natur was Gutes, sondern wird in der Regel mit einem weit besseren Geschmack entschädigt.

Beitrag kommentieren