© Natur-und Tierpark Goldau
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Waldrappdame Shorty im Aargau eingefangen

  • Kathrin Ruprecht
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Der Waldrapp Shorty, der sich als Winterquartier die Gegend um den Zugersee ausgesucht hat, musste aufgrund des harten Winters eingefangen werden. Zum überwintern ist die Schweiz für Waldrappe, die normalerweise in der Toskana überwintern, ungeeignet.

Am 7. Februar wurde Waldrappdame Shorty im Aargau bei Jonen eingefangen und in den Natur-und Tierpark Goldau gebracht. Sie war untergewichtig und hatte an beiden Flügeln eine kältebedingte Gewebsveränderung. Ansonsten ist Shorty wohlauf und wird nach entsprechender Behandlung wieder in die Waldrapp-Population des Europäischen Wiederansiedlungsprojektes integriert.

Fortan soll sie aber im Herbst daran gehindert werden, in die Schweiz zu fliegen. Stattdessen wird der Vogel in das adäquate Wintergebiet in der Toskana gebracht. Damit ist das ungeplante «Experiment Shorty» beendet, mit dem ohnehin nicht überraschenden Resümee, dass die Schweiz im Winter eben keinen geeigneten Lebensraum für Waldrappe bietet.

Shorty ist nicht das erste Mal zum überwintern, anstatt in die geeigneten Gebiete der Toskana, in die Schweiz gekommen.
2012 hat das Waldrappweibchen den Winter am Zugersee, ohne ihre Artgenossen, verbracht. Ein Jahr später wurde sie vorsorglicherweise für den Winter in die Toskana chauffiert. Letzten Herbst dann war man zuversichtlich, dass sie ihr Winterquartier gemeinsam mit ihren Artgenossen dieses Mal finden würde. Als sie dann wieder ihre „Gspänli“ verliess und die Schweiz ansteurte, lies man sie gewähren da sie aufgrund ihrer Erfahrungen gute Überlebenschancen hatte. Es scheint als war aber dieser Winter weit härter als der im Jahr 2012.

Der Waldrapp, ein Zugvogel, war bis ins 17. Jahrhundert in Mitteleuropa einheimisch, wurde aber durch starke Bejagung ausgerottet. In einem Projekt, das im Jahr 2013 gestartet wurde, soll der Waldrapp gemeinsam mit Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland wieder angesiedelt werden.

Bis 2019 sollen mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana hin und her ziehen. In Burghausen (Bayern) konnte eine erste kleine Brutkolonie gegründet werden. Weiter sind in Kuchl (Salzburg) und in Überlingen (Baden-Württemberg) vorgesehen.

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