WSL Waldbrand

Waldbrand erhöht Artenvielfalt

  • Eliane Küpfer
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Erstaunlich schnell haben Pflanzen und Tiere nach dem grossen Brand bei Leuk (VS) vom 13. August 2003 die Waldbrandfläche wieder besiedelt. Dem grossartigen Farbenspektakel der vielen Krautpflanzen in den ersten Jahren nach dem Brand folgte in den unteren Lagen eine Versteppung: „Es ist buchstäblich Gras über die Fläche gewachsen“, sagt Thomas Wohlgemuth, Forschungsleiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL auf der Brandfläche in Leuk, „und zwar in einer Vielfalt, die deutlich grösser ist als im früheren Wald.“

Unter den Erstbesiedlern waren Pionierbäume wie Pappel, Weide und Birke, die heute bereits Höhen von über 5 Metern erreichen. Nach zehn Jahren kommt fast überall Buschwald auf, doch dieser Laubwald wird nur vorübergehend bestehen. An den Rändern der Waldbrandfläche wird der Nadelwald in einigen Jahrzehnten den Buschwald überwachsen. Und in den tiefsten Lagen scheint die Flaumeiche die Waldföhre abzulösen. Weit vom Waldrand entfernt wird man unter 1500 m noch rund 30 – 50 Jahre auf langlebigen Nadelwald warten müssen. So lange wird es noch dauern, bis der Wald die Bevölkerung wieder vor Naturgefahren schützt.

Die Forschung auf der Waldbrandfläche von Leuk zeigt, dass die Artenvielfalt auch zehn Jahre nach diesem Extremereignis noch deutlich grösser ist als im benachbarten Nadelmischwald. Und weil die Besiedlung von Brandflächen im trockeneren Wallis länger dauert als beispielsweise im Tessin, kann sich eine artenreiche Zwischenvegetation über längere Zeit entwickeln. So stellt WSL-Insektenforscher Beat Wermelinger auf der Brandfläche neunmal mehr vom Aussterben bedrohte Insektenarten fest als im benachbarten Wald. „Verglichen mit dem Wald haben insgesamt doppelt so viele Insektenarten die Brandfläche zurückerobert, darunter zahlreiche Blüten bestäubende Arten wie Wildbienen, Pflanzenfresser wie Heuschrecken und wichtige Totholzbesiedler wie Bockkäfer“, sagt Wermelinger. Unter den seltenen Pflanzen fällt vor allem der als verschollen gegoltene Erdbeerspinat (Blitum virgatum) auf, dessen Samen Jahrzehnte im Boden überdauert haben. Im Hinblick auf Naturschutzaspekte kann ein Waldbrand für die grössere Region durchaus positive Aspekte haben. Für Siedlungen und Verkehrswege hingegen ist er überwiegend eine Bedrohung.

Foto © Reinhard Lässig / WSL

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