© Benediktv [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Wald: Immer gut für das Klima?

  • Kathrin Ruprecht
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Generell besteht die Meinung, dass Wälder gut für das Klima seien. Das heisst, sie schwächen die Klimaerwärmung ab indem sie CO2 aufnehmen. Es gibt jedoch Regionen, in denen dies nicht stimmt. In unseren alpinen Zonen zum Beispiel, verursacht der Wald eine Verminderung der Rückstrahlung des Sonnenlichts von der Erdoberfläche zur Atmosphäre, was zu einer Erwärmung führt.

Forschende des WSL-Instituts für Schnee und Lawinenforschung (SLF) und Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben in einer Studie die Effekte der CO2 Reduktion und der Rückstrahlungsreduktion des Sonnenlichts gegen einander aufgewogen. Denn der Zuwachs des Waldes in den Schweizer Alpen ist eine Realität. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen in schlecht zugänglichen Lagen werden aufgegeben, worauf neuer Wald entsteht.

Die Reduktion des CO2 Gehaltes durch den Wald bedeutet, dass sich weniger CO2 in der Atmosphäre befindet. Somit wird weniger langwellige Strahlung, welche der Wärmestrahlung entspricht, absorbiert und die Atmosphäre erwärmt sich weniger. Im Gegensatz dazu steht die verringerte Rückstrahlung durch die dunkle Farbe des Waldes. Mehr Sonnenlicht wird dadurch absorbiert, was eine Erwärmung der Atmosphäre zur Folge hat.

Die Wissenschaftler_innen wollten nun wissen, wie die Waldzunahme in der Schweiz sich auf das Klima auswirkt. Dazu benutzen sie gesamtschweizerische Datensätze über Waldveränderung, Kohlenstoffspeicherung, Schneedecke, Sonneneinstrahlung und Rückstrahlung.

Heraus kam, dass die Strahlungsbilanz der Waldzunahme in fast allen Regionen negativ ist. Das Bedeutet, der CO2-Bindungseffekt des Waldes überwiegt den Effekt der Reflektionsreduktion, womit der Wald immer noch einen kühlenden Effekt auf das Klima hat. In den höheren Lagen geht diese Strahlungsbilanz aber gegen null. Gebiete in hohen Lagen, die über einen längeren Zeitraum schneebedeckt sind, können durch eine Bewaldung sogar eine positive Strahlungsbilanz aufweisen. Dies, weil unbewaldete Flächen durch die Schneedecke eine hohe Rückstrahlung bewirken, was besonders bei Schneebedeckung über lange Zeit zählt. Ausserdem sind Wälder dieser Höhe weniger produktiv, sie binden weniger CO2. Hinzu kommt die steigende Sonneneinstrahlung mit der Höhe.

Dieses Resultat zeigt, dass der Einfluss der verringerten Rückstrahlung durch die Waldzunahme eine erwärmende Auswirkung auf das Klima haben kann. Allerdings beschränkt er sich auf die Waldzunahme in höheren, schneereichen Lagen. In dieser Studie wurde aber nur die Strahlungsbilanz berechnet, was nicht der einzige Einfluss auf die Temperatur darstellt. Um auszurechnen ob die positive Strahlungsbilanz wirklich zu einer Temperaturerhöhung führt, müssen weiter Studien durchgeführt werden.

Den Bericht über die Studie finden Sie hier.

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