Wald: begehrte und vielfältige Ressource

  • Barbara Darani
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Der Wald muss heute vielen Ansprüchen genügen: Energiequelle, Erholungsgebiet, Objekt des Naturschutzes. Wie NZZ-Online berichet, stehen die Waldeigentümer vor widersprüchlichen Herausforderungen.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist zentral für eine geregelte Forstwirtschaft. Einfach ausgedrückt geht es darum, den Wald so zu nutzen, dass dieser langfristig erhalten bleibt und seine verschiedenen Funktionen erfüllen kann, schreibt NZZ-Online. Obwohl in der Schweiz und anderen europäischen Ländern in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich grosse Fortschritte gemacht wurden, bleibt auf globaler Ebene noch viel zu tun in punkto nachhaltige Waldnutzung. Armut der Bevölkerung, Korruption und das Fehlen bzw. mangelhafte Durchsetzung von nationalen Forstgesetzen sind die Hauptgründe dafür.

Das Konzept der multifunktionalen Waldwirtschaft – das heisst, dass der Wald, zum Teil auf ein und derselben Fläche, verschiedene Funktionen zu erfüllen hat – ist hauptsächlich in West- und Mitteleuropa weit verbreitet. Zu diesen Funktionen gehören die Holzproduktion, der Schutz vor Naturgefahren, Erholung, die Reinigung von Trinkwasser sowie der Natur- und Landschaftsschutz. Die Regelung dieser verschiedenen Funktionen ist in der Bundesverfassung und im eidgenössichen Waldgesetz verankert. Die Umsetzung ist dabei nicht immer einfach. In der kleinräumigen und dichtbesiedelten Schweiz gebe es jedoch keine Alternative zu einer multifunktionalen Waldbewirtschaftung, zitiert NZZ-Online Felix Lüscher, der bei der Oberallmeindkorporation Schwyz (OAK) für 9000 Hektaren Wald zuständig ist.

Ein Thema das die Forstwirtschaft schon seit Jahren beschäftigt, ist die Abgeltung von erbrachten Waldleistungen. Beim Schutz vor Naturgefahren funktioniere das von Bund und Kantonen etablierte System recht gut, heisst es im Artikel von NZZ-Online. Schwieriger sei es bei den Erholungsleistungen. So erlaubt es der Artikel 699 des Zivilgesetzbuches jedem, den Wald unbestritten zu betreten. Die Menschen haben heute viel mehr Freizeit als früher und sie nutzen den Wald als Sportarena. Dies führt jedoch zu Konflikten, weil es die Holznutzung erschwert und die Natur beeinträchtigt.

Die Waldeigentümer werdem zunehmend mit dem Thema Naturschutz im Wald konfrontiert. Die Auseinandersetzung über die Waldbewirtschaftung sei in den letzten Monaten härter geworden. So kam zum Beispiel eine Studie des WWfs kürzlich zum Schluss, dass die Kantone zu wenig für den Naturschutz im Wald tun. Der Verband der Schweizer Waldeigentümer wies den Vorwurf umgehend zurück. Ab 2005 setzt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) darum mit dem Projekt «Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau» einen Auftrag aus dem Waldprogramm Schweiz um. Das Projekt soll die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit bei einer gleichzeitig angestrebten stärkeren Holznutzung sicherstellen. Wie NZZ-Online Rolf Manser, Leiter der Abteilung Wald des BAFU zitiert, soll dabei präzisiert werden, welche minimalen ökologischen Bedingungen bei der Waldbewirtschaftung gemäss geltendem Recht zu erfüllen sind. Während Naturschutzorganisationen solche Minimalanforderungen grundsätzlich begrüssen, haben Kantone und Waldeigentümer Vorbehalte und befürchten eine Anhebung der Anforderungen, ohne dabei entschädigt zu werden, heisst es auf NZZ-Online weiter. Es konnten deshab keine Grundstandarts festgelegt werden und der Bund wurde aufgefordert, das Vorgehen zu überdenken. Anscheinend habe der Vollzug der vorgeschlagenen Biodiversitätsanforderungen nicht zu unterschätzende ökonomische Auswirkungen auf die Forstbetriebe verursacht.

Die Kernfrage ist also, wie hoch die Latte beim Naturschutz im Wald anzusetzen ist und wie sich die Leistungen finanzieren lassen. Antwort darauf wird durch die nationale Biodiversitätsstrategie gesucht, die zurzeit durch den Bund erarbeitet wird. Dabei ist nicht ausser Acht zu lassen, dass viele Waldeigentümer aus eigener Überzeugung bereits viel für den Naturschutz leisten.

Artikel NZZ-Online

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