Lizenz: CC0 Public Domain / FAQ

Wahrscheinlich ja, wahrscheinlich nein – ist Glyphosat krebserregend?

  • Judith Schärer
  • -

Obwohl Glyphosat von der Weltgesundheitsorganisation als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wird, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in einem neuen Bericht die Empfehlung veröffentlicht, Glyphosat weiter zuzulassen und sogar die unbedenkliche tägliche Aufnahmemenge zu erhöhen. Der Behörde wird nun vorgeworfen, sie sei vor den Pestizid-Industriellen in die Knie gegangen.

Im Frühling gab die Weltgesundheitsorganisation bekannt, dass der Herbizidwirkstoff Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ gilt (wir berichteten). Umso unverständlicher ist ein neuer Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), in welchem diese die Empfehlung veröffentlicht, Glyphosat weiter zuzulassen. In ihrer Bewertung kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass sie Glyphosat für „wahrscheinlich nicht krebserregend“ hält und schlägt sogar eine Erhöhung der unbedenklichen täglichen Aufnahmemenge vor.

Greenpeace verurteilt diesen Bericht als „Einknicken vor der Industrielobby“ und fordert eine Abkehr von der Pestizid-Landwirtschaft. Greenpeace Schweiz kommentiert dazu: «Wieder einmal ist eine Behörde vor der Pestizidindustrie in die Knie gegangen. Der Entscheid der EFSA ist unverständlich und ihre Unabhängigkeit muss angezweifelt werden. Ein grosser Teil ihres Berichtes scheint aus unveröffentlichten Studien der Hersteller kopiert worden zu sein. Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen machen jedoch deutlich, dass glyphosathaltige Produkte alles andere als ungefährlich sind. Weitere Bewilligungen auf Basis von unvollständigen Hersteller-Angaben sind ein unverantwortliches Experiment an Umwelt, Mensch und Tier. Deren Gesundheit muss endlich stärker geschützt werden als die finanziellen Interessen der Agrochemiekonzerne. Glyphosat muss europaweit – auch in der Schweiz – verboten werden.»

In der Schweiz scheiden sich die Geister

Das BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen) und das Bundesamt für Landwirtschaft gaben im Juli bekannt, aufgrund seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften werde Glyphosat im Körper nicht angereichert sondern sehr schnell und effizient, vorwiegend über den Urin, wieder ausgeschieden. Die von der Konsumenteninfo AG gefundenen Werte im Urin mit maximalen Konzentrationen von 0.9 Mikrogramm pro Liter seien sehr niedrig und gesundheitlich unbedenklich.

​Besorgt zeigt sich hingegen die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK-N). Diese hat Anfangs November entschieden, ein Kommissionspostulat über die Glyphosat-Auswirkungen in der Schweiz einzureichen. Sie äussert ihre Besorgnis über die Auswirkungen von Glyphosat auf die Gesundheit von Mensch und Tier und fordert deshalb genauere Untersuchungen zu diesen Fragen. Der Bundesrat wird ersucht, einen Bericht vorzulegen, in dem genauere Untersuchungen über Glyphosatrückstände in Lebensmitteln, in Futter und Urin von Nutztieren sowie im Urin der Bevölkerung präsentiert werden. Zudem soll abgeklärt werden, wie der private und gewerbliche Absatz in der Schweiz sich zusammensetzt und welche alternativen Möglichkeiten zur Unkrautbekämpfung bestehen.

Tiere und Menschen nicht krank machen, sondern schützen!

Greenpeace, die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie die Stiftung für Konsumentenschutz SKS setzen sich gegen eine Intensiv-Landwirtschaft wie bis anhin ein und fordern  die Weiterentwicklung ökologischer, chemiefreier Anbaumethoden, die Menschen und Tiere nicht krank machen, sondern schützen.

Dazu initiierten die verschiedenen Organisationen die Petition «Glyphosat verbieten – jetzt!», welche nun seit einigen Monaten läuft. Bereits am 22. November wird die Petition jedoch beendet – es bleiben also nur noch wenige Tage, um eine Unterschrift auf die Liste zu setzen. Hier gelangen Sie zur Petition >>

Beitrag kommentieren