Sömmerung

Wächst der Hof, leidet die Alp

  • Stefanie Pfefferli
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SömmerungJeder zweite Landwirtschaftsbetrieb im Tal möchte seine Fläche vergrössern und dann auf die Sömmerung des Viehs verzichten. Dadurch würden aber viele Alpen aufgegeben und aus Weide würde Wald. Dies ergaben drei Umfragen der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Der Bund könnte durch eine Anhebung der Sömmerungsbeiträge Gegensteuer geben.

Aufgabe der Sömmerung für viele wahrscheinlich

Jeder zweite befragte Heimbetrieb hält es für wahrscheinlich, dass er seine Heimfutterfläche in den nächsten zehn Jahren vergrössern kann und er aus diesem Grund nicht mehr auf das Alpfutter angewiesen sein wird. Dann würden diese Betriebe auf die Sömmerung verzichten. So hat die Anzahl der Alpbetriebe, die gerade noch genügend Tiere haben und so die vollen Sömmerungsbeiträge erhalten, schon in den letzten Jahren zugenommen. Der Rückgang der gesömmerten Tieren dürfte längerfristig aber nicht nur wirtschaftliche Einbussen für die Alpbetriebe verursachen, sondern sich auch negativ auf die Offenhaltung der Landschaft auswirken. Denn immer mehr Weiden werden langsam zu Wald. Dieser Prozess ist bereits im Gange. Die Ergebnisse des 3. Schweizerischen Landesforstinventares LFI zeigen, dass die Waldfläche in den Alpen seit 1983 um 14.8% zugenommen hat. Die grösste Waldzunahme fand in Höhenlagen über 1800 m ü.M. statt, wo viele Alpweiden liegen.

Höhe der Sömmerungsbeiträge steuert Alpwirtschaft

Die Umfragen ergaben weiter, dass die Sömmerungsbeiträge des Bundes für viele Betriebe essentiell sind. Zurzeit entscheidet vor allem die Höhe dieser Beiträge darüber, ob Landwirtschaftsbetriebe weiterhin sömmern. Modellsimulationen von Forschenden von ART zeigen, dass die Sömmerungsbeitragsverordnung an sich effektiv ist: Eine Beitragserhöhung würde selbst dann zu einer besseren Auslastung der Alpen führen, wenn die Bewirtschaftung durch eine flächenmässige Ausdehnung aufwändiger würde. Die Forschenden leiten aus den Umfrageergebnissen Empfehlungen für eine Weiterentwicklung der Sömmerungsbeitragsverordnung ab. So schlagen sie unter anderem vor, die Höhe der Sömmerungsbeiträge an die Entwicklung der gesamtschweizerischen Heimfutterfläche zu koppeln und Tierarten stärker zu fördern, die spezifisch extensive Weideflächen nutzen. Darüber hinaus schlagen sie eine Flexibilisierung der Bemessungsgrundlagen für die Sömmerungsbeiträge vor, damit einerseits dem Zuchtfortschritt mit steigenden Milchleistungen und anderseits den jährlichen Witterungsschwankungen begegnet werden kann.

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Bild: Michael Schmied (Wikimedia Commons)

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