© Dorothee Hoffmann Universität Bern
© Dorothee Hoffmann Universität Bern

Der vorbeugende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefährdet unsere Nützlinge

  • Kathrin Ruprecht
  • 1

Der flächendeckende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonikotinoide schadet Honigbienen und wildlebenden Insekten. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Biologinnen und Biologen unter der Leitung des Berner Forschers Peter Neumann. Die Forschenden empfehlen, diese Mittel im Interesse einer nachhaltigen Landwirtschaft künftig restriktiver anzuwenden.

Systemische Pflanzenschutzmittel, sogenannte Neonikotinoide, werden weltweit im grossen Ausmass vorbeugend angewendet um Nutzpflanzen vor Schädlingen zu schützen, schreibt die Universität Bern. 2012 hat die EU aufgrund möglicher Effekte auf Honigbienen ein Moratorium erlassen, welches die Anwendung dieser Substanzen einschränkt. Seither sind mehr als 300 wissenschaftliche Artikel zum Thema publiziert worden. Zusammen betrachtet zeigen diese, dass der vorbeugende Neonikotinoid-Einsatz negative Auswirkungen auf zahlreiche Nützlinge haben kann, beispielsweise ein früher Tod der Königinnen bei Honigbienen und eine geringere Fortpflanzungsrate bei Wildbienen.

«Es gibt klare Beweise, dass bereits geringste Mengen Neonikotinoide solche chronischen Effekte auf Nützlinge haben können», sagt Peter Neumann. Er ist Professor für Bienengesundheit an der Universität Bern und leitete die europaweite Metastudie des European Academies Science Advisory Council (EASAC) über Neonikotinoide – der EASAC ist die Dachorganisation der europäischen Wissenschaftsakademien. Die Befunde der Metastudie hat der Berner Forscher nun in der Fachzeitschrift «Nature» zusammengefasst.

Nicht nur Honigbienen betroffen

In den letzten Jahren hat vor allem der Rückgang der von Imkern gehaltenen Honigbienen viel Aufmerksamkeit erhalten. Für die Dienstleistungen der Natur wie die Bestäubung reichen sie alleine aber nicht aus, wie Peter Neumann ausführt. «Es gibt viele Arten von wilden Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen, die ebenfalls massgeblich zur Bestäubung beitragen.» Darüber hinaus dezimieren Käfer, Spinnen und andere Räuber diverse Schädlinge; bestimmte Bodenorganismen sorgen derweil für fruchtbare Erde. «Eine grosse Artenvielfalt ist für eine nachhaltige Landwirtschaft von zentraler Bedeutung», sagt Neumann. «Doch der Einsatz der Pestizide gefährdet nun die Vielfalt dieser Nützlinge und somit auch die Effektivität ihrer Dienstleistungen.»

Die hochsozialen und in grossen Völkern lebenden Honigbienen können den Belastungen durch Pestizide dabei deutlich besser standhalten als Hummeln oder einzeln lebende Tiere. Ergebnisse zu Auswirkungen auf Honigbienen liessen sich somit nicht einfach auf andere Dienstleister der Natur übertragen, so Neumann weiter: «Es erscheint daher sinnvoll, künftig nicht nur die Effekte der Neonikotinoide auf Honigbienen zu berücksichtigen, sondern auch deren Auswirkungen auf andere Nützlinge.»

Neonikotinoid-Einsätze kritisch hinterfragen

Die Autorinnen und Autoren der EASAC-Studie plädieren indes nicht für ein Verbot bestimmter Subtanzen. Vielmehr soll der Einsatz von Neonikotinoiden unter Miteinbezug ökonomischer und ökologischer Aspekte für jede Nutzpflanze kritisch hinterfragt werden. Während beispielsweise für den Raps die Anwendung von Neonikotinoiden vermutlich auch künftig sinnvoll sei, zeigten Erfahrungen aus Italien, dass sie für den Mais nicht erforderlich seien. Peter Neumann: «Der breite vorbeugende Einsatz von Neonikotinoiden steht im Widerspruch zu den Grundsätzen einer zeitgemässen Schädlingsbekämpfung, die den Einsatz von Pestiziden nur als letztes Mittel wählt – insbesondere wenn die Schädlinge nur selten auftreten.»

Zur Medienmitteilung der Universität Bern

Zur Studie in „Nature“

1 Kommentar

  • Föllmi Armin

    Wieso lässt man weiterhin zu, dass zuviel Gifte in die Natur gesprüht werden ? Ist das weil die ganze Landwirtschaft von den Konzernen der Chemie und Nahrungmittelhersteller abhängig ist ? Kein Gift mehr !

    Antworten

Beitrag kommentieren