feldlerche

Volkszählung der Vögel

  • Eliane Küpfer
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Dieses Wochenende beginnt die landesweite Volkszählung der wildlebenden Brutvögel in der Schweiz. In den nächsten vier Jahren wird die Vogelwarte Sempach mit Unterstützung von über tausend Freiwilligen ermitteln, wo, wie viele und welche Vögel brüten. Der neue Atlas ermöglicht Einblicke in die regionale Häufigkeit von verbreiteten Arten wie Meisen und Drosseln, aber auch von selteneren Vögeln wie dem Kuckuck.

Die Situation der Vogelwelt widerspiegelt den Zustand der gesamten Biodiversität und der Landschaft. Vögel brauchen ein vielfältiges Angebot an Lebensräumen mit genügend Nahrung und geeigneten Brutplätzen. Kann eine Landschaft die Anforderungen einer Vogelart nicht erfüllen, wird diese verschwinden. So brütete die Feldlerche vor einigen Jahrzehnten noch weit verbreitet im Schweizer Mittelland. Mit dem Lebensraumverlust nahmen ihre Bestände immer stärker ab.

Die Volkszählung der Vögel wird einen Gesamtüberblick über die rund 200 heimischen Brutvogelarten geben, wird Hotspots der Artenvielfalt aufdecken und zeigen, in welchen Regionen und für welche Vogelarten Fördermassnahmen am dringendsten sind. Dadurch wird der Brutvogelatlas zu einer wichtigen Grundlage für den Natur- und Vogelschutz.

Der Klimawandel könnte dazu führen, dass in Südeuropa verbreitete Brutvögel wie der bunte Bienenfresser auch bei uns häufiger werden. Gleichzeitig zwingt die Erwärmung empfindliche Arten wie das Alpenschneehuhn, tiefere Lagen zu räumen. Da bereits in den 1990er-Jahren umfangreiche Erhebungen durchgeführt wurden, wird sich nun zeigen, wie stark der Klimawandel unsere Vogelwelt bereits beeinträchtigt hat

Ein Blick nach Deutschland zeigt weitere mögliche Gefahren für Vögel auf. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) vermeldete unlängst das schwinden von Vogelbeständen, die auf Feuchtwiesen, Moore und Ackerland angewiesen sind. Der Bestand der Bekassine ist seit 1976 in Niedersachsen um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Wegen ihrer Gefährdung wurde sie vom Nabu zum Vogel des Jahres 2013 gekürt. Die starke Entwässerung und Düngung von Feuchtgebieten führen dazu, dass Wiesenvögel hier nicht mehr Brüten und Rasten können. Auch für den Klimaschutz ist die massive Bewirtschaftung von Moorböden schädlich, da hierdurch große Mengen CO2 freigesetzt werden. Grund zur Hoffnung geben Schutzprojekte in denen Naturschützer in enger Zusammenarbeit mit Landwirten Flächen im Grünland und im Moor renaturiert und so wertvolle Brut- und Rastflächen für Wiesenvögel schaffen. „Wenn Naturschutz und Landwirtschaft abgestimmt handeln, gibt es eine Chance, dass die Bekassine und andere Wiesenvogelarten bei uns überleben“, so NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Bild © Stefan Rieben, Vogelwarte Sempach

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NABU Wiesenvögel

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