vogelfreundliches Bauen

Vogelfreundliches Bauen

  • Silvan Kaufmann
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vogelfreundliches BauenUnzählige Vögel lassen bei Kollisionen mit Glasfronten ihr Leben. In den vergangenen Jahren wurden viele neue Erfahrungen gewonnen, wie vogelfreundlicher gebaut werden könnte. Der Schweizer Vogelschutz/BirdLife Schweiz, die Wiener Umweltanwaltschaft und die Schweizerische Vogelwarte Sempach haben ihre Erkenntnisse, wie Bauten vogelfreundlich realisierbar sind, nun in einer Broschüre zusammengefasst.

Der Tod an den Scheiben ist heutzutage eines der grössten Vogelschutzprobleme. Allein in der Schweiz lassen jährlich Hunderttausende von Vögeln ihr Leben an Glasfronten. Drei verschiedene Phänomene führen zu Kollisionen von Vögeln mit Glas:

• Bei der Durchsicht durch eine Glasfront erblickt ein Vogel ein ihm zusagende Landschaft und steuert diese direkt an.
• Sonnenschutzgläser und viele andere Glastypen verursachen durch ihren hohen Reflexionsgrad Spiegelungen, die dem Vogel einen Lebensraum vortäuschen.
• Schliesslich ist auch Licht eine Gefahrenquelle, vor allem für nächtlich ziehende Zugvögel. So werden sie von innen beleuchteten Gebäuden und gegen oben abstrahlenden starken Lichtquellen angezogen, was sich bei Schlechtwetter und Nebel noch verschärft.

In den letzten Jahren wurden viele neue Erfahrungen gewonnen, wie vogelfreundlicher gebaut werden könnte. Es hat sich gezeigt, dass Kollisionen durch entsprechende Massnahmen grösstenteils verhindert werden können. Dabei kommt der Wahl des Glastyps und der Umgebungsgestaltung eine zentrale Rolle zu. Eine Broschüre des Schweizer Vogelschutz/BirdLife Schweiz, der Wiener Umweltanwaltschaft und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach empfiehlt unter anderem folgende vogelfreundliche Massnahmen:

• Transparente Flächen an exponierten Stellen sind ganz zu vermeiden, oder ihre Durchsicht ist zu reduzieren. Letzteres kann zum Beispiel durch flächige Markierungen (Punkte, Raster, Linien) auf den Aussenseiten erreicht werden. Auch der Einsatz von transluzenten, (zwar lichtdurchlässigen, aber nicht transparenten) Materialien ist wirkungsvoll.
• Die Spiegelwirkung kann durch Gläser mit einem geringen Reflexionsgrad deutlich reduziert werden. Auch Fassadenbegrünungen können ein geeignetes und zugleich ästhetisches Mittel gegen Vogelkollisionen darstellen.
• Schliesslich ist auch der Lichtsmog einzuschränken. Allgemein soll künstliches Licht nur dort eingesetzt werden, wo es wirklich notwendig ist. Beleuchtungsdauer und Intensität können minimiert werden. Vorzugsweise erfolgt die Beleuchtung von oben, und die Abstrahlung geht nicht über die Horizontale hinaus.

Optimal wäre, wenn man sich der Problematik bereits in der Planungsphase bewusst ist. Nachträgliche Schutzmassnahmen sind zwar auch möglich, fallen aber oft teuer aus. In der Schweiz wurden deshalb bereits alle kommunalen und kantonalen Baubehörden, zahlreiche Architekturbüros und andere Fachleute mit der Broschüre bedient. Insbesondere für Architekten und Planer ist die Gestaltung vogelfreundlicher Aussenfassaden nicht nur ein praktisches, sondern auch ein spielerisches Element, bei dem Kreativität und Phantasie gefragt sind.

sc/nat
www.Vogelglas.info  
Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“

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