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Vielfacher Vogeltod in Wiesen

  • Barbara Darani
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090611_vogeltod1_gIn diesen Tagen werden viele Wiesen gemäht, was für die in diesem Lebensraum brütenden Vogelarten eine erhebliche Bedrohung darstellt. Tausende von Bruten werden vernichtet. Eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zeigt, dass bei den bedrohten Braunkehlchen auch brütende Weibchen vermäht werden.

Zwei Jahre lang wurden die Braunkehlchen bei ihrem Brutgeschäft im Unterengadin detailliert beobachtet. 80 % der Männchen, aber lediglich 68 % der Weibchen überlebten die Brutzeit. Die Verluste traten genau zum Zeitpunkt der Mahd auf. Zwei von zwanzig Weibchen wurden nachweislich auf dem Nest vermäht. Ihr Brutinstinkt ist offenbar so stark, dass sie das Nest auch dann nicht verlassen, wenn die Mähmaschine immer näher kommt. Durch diesen Verlust von Weibchen läuft der Bestandsrückgang 1,7 Mal schneller ab als wenn ausschliesslich Eier und Nestlinge verloren gingen.

Durch die moderne, intensive Grünlandnutzung werden die Wiesen im Vergleich zu früher viel zeitiger und viel häufiger genutzt. Heute fällt der erste Schnitt der Wiesen zeitlich immer enger mit der Brutzeit der Wiesenvögel zusammen. Und ein immer grösserer Anteil der Bruten fällt den Mähmaschinen zum Opfer. Der schweizerische Bestand des Braunkehlchens ist in den letzten zehn Jahren um weitere 20 % geschrumpft, ebenso jener der Feldlerche, ebenfalls ein in Wiesen brütender Singvogel.

Die Probleme der Wiesenbrüter könnten durch das Konzept der abgestuften Bewirtschaftungsintensität entschärft werden. Die Wiesen sollen unterschiedlich genutzt werden, je nach Standort, Nutzungspotenzial, ihrer Lage auf dem Betrieb und dem Verwendungszweck des Futters extensiv oder etwas intensiver. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach fordert daher, den Flächenanteil spät geschnittener Heuwiesen deutlich zu erhöhen.

Braunkehlchen und Feldlerche teilen ihr Schicksal mit weiteren Wiesenbrütern: Die Wachtel, der Baumpieper und der in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Wachtelkönig erleiden ebenfalls gravierende Verluste durch zu frühe Mahd. Und nicht zu vergessen Rehkitze, Junghasen, Honigbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge.

Schweizerische Vogelwarte Sempach

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