Kultur und Natur sind unzertrennlich miteinander verbunden. © sasint [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Kultur und Natur sind unzertrennlich miteinander verbunden. © sasint [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Viele Aspekte des Nutzens der Natur vernachlässigt

  • Julia Hatzl
  • 3

Das Miteinbeziehen von sozialen und kulturellen Leistungen der Natur für den Menschen ist essentiell für das Vorantreiben des Naturschutzes. Der nicht-materielle Nutzen der Natur muss in Zukunft weiter in den Vordergrund gerückt werden.

Ausreichende Nahrung, sauberes Wasser und reine Luft gehören zu den bekanntesten Leistungen der Natur für den Menschen und werden als Hauptquellen von Dienstleistungen und Rohstoffen betrachtet. Aber in Wahrheit umfasst der Nutzen der Natur ein weit breiteres Repertoire, das in den letzten Jahren stark unterschätzt wurde. Durch die Sensibilisierung von Politik und Entscheidungsträgern für die grosse Bandbreite des Nutzens der Natur könnte die gesamte Umweltpolitik weiter vorangetrieben werden, wie die Leuphana Universität Lüneburg berichtet. 30 internationale Experten haben dafür in einem gemeinsam veröffentlichten Artikel plädiert.

Interdisziplinarität öffnet Wege

Die Forscher gehen in ihrem Beitrag davon aus, dass die Umweltpolitik des letzten Jahrzehnts von den Sichtweisen der Naturwissenschaften und der Ökonomie dominiert wurde. Der bisherige Fokus der Ökosystemdienstleistungen sei vor allem auf dem materiellen Nutzen gelegen und habe den Nachhaltigkeitsgedanken weit vorangebracht. Jedoch seien Einsichten und Methoden der Sozialwissenschaften, der Geisteswissenschaften und anderer Betrachtungsweisen der Welt stark vernachlässigt worden. Kultur beispielsweise ist ein zentrales Bindeglied zwischen Mensch und Natur. Deshalb müsse, so die Autoren, den Wissensbeständen lokaler Gemeinschaften und indigener Völker viel mehr Beachtung geschenkt werden.

Die Leistungen der Natur für den Menschen sind von entscheidender Bedeutung für reiche genauso wie für arme Länder. Die Wissenschaftler sind sicher, dass es nur mit einem besseren Verständnis für die ganze Bandbreite des Naturnutzens gelingen kann, einen tatsächlichen Schutz und eine nachhaltige Nutzung der Natur zu erreichen. So habe die Natur auch eine grosse soziale, kulturelle, geistige und religiöse Bedeutung.

Erweiterung auf nicht-materiellen Nutzen

Als ein Beispiel für ihre umfassendere Sicht auf die Bedeutung der Natur nennen die Autoren das Thema Nahrung. Alle Menschen erhielten ihre Nahrung aus der Natur und Nahrungssicherheit sei ein zentrales Thema, das Politik und Entscheidungsträger weltweit beschäftige. Dabei gehe es bisher vor allem um Dinge wie Nährwert, biologische Prozesse und ökonomische Fragen. Tatsächlich reiche aber die Bedeutung von Nahrung viel weiter. Sie habe auch Auswirkungen auf Dinge wie kulturelle Identität, Kunst oder Lebensfreude. Solche nicht-materiellen Faktoren des Nutzens der Natur machen den neuen Ansatz der Wissenschaft aus.

Nicht-materieller Nutzen der Natur wird oft unterschätzt. ©jmrockeman [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Nicht-materieller Nutzen der Natur wird oft unterschätzt. ©jmrockeman [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Eine von vielen Möglichkeiten, die neue Sichtweise anzuwenden, ist ihre Aufnahme in gross angelegten Experten-Gutachten. Der Ansatz gehe deutlich über die bisher genutzten Methoden zur Ermittlung von Ökosystem-Dienstleistungen hinaus. Er verspreche mehr Effektivität und Legitimität für politische Entscheidungen über den Umgang mit der Natur, weil er eine breitere und qualifiziertere Informationsbasis schaffe. Zugleich stellt ein solcher umfassenderer Ansatz einen wichtigen Beitrag für die Umsetzung und Gestaltung der 2012 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsentwicklungsziele dar.

Der Artikel wurde im wissenschaftlichen Magazin «Science» veröffentlicht.

3 Kommentare

  • Christine

    Ein sehr wichtiger Aspekt, vielen Dank für diesen Hinweis zu diesem Artikel, das regt zum Nachdenken und Überlegen an, wie man diese erweiterte und unerlässliche Sichweise zukünftig in seine Projekte im Naturschutz integrieren kann. Es ist jämmerlich, wieviel Geld bis anhin für Natur-und Umweltschutz bereitgestellt wird von den Politikern. Wären da nicht die vielen NGO`s mit den Spendefreudigen und die vielen Freiwilligen, es wäre nur noch zum Heulen….

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    • Fabian

      Sehr schöner Artikel. Vielleicht trägt Forschung dieser Art ja dazu bei, die häufigen Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern im Namen des Naturschutzes zu beenden. Der Spiegel hat darüber berichtet, was passiert, wenn ein überholtes Bild der mesnchenfreien Natur die Grundlage von Schutzmaßnahmen ist: http://www.spiegel.de/spiegel/gorilla-nationalpark-im-kongo-a-1175601.html


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