Neuste Erhebungen zeigen: Es gibt mehr Flüsse und Bäche, als bisher bekannt war. © cowins [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Neuste Erhebungen zeigen: Es gibt mehr Flüsse und Bäche, als bisher bekannt war. © cowins [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Viel mehr Flüsse auf der Erde als gedacht

  • Selina Fehr
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Die Erde wird von viel mehr Flüssen durchzogen, als uns bisher bewusst war. Dies konnten Wissenschaftler an Hand von Satellitendaten beweisen. Damit muss der Einfluss von Fliessgewässern aufs globale Klima neu eruiert werden.

Es gibt viele Flüsse auf der Erde – offenbar noch viel mehr als wir bisher wussten! Frühere Schätzungen der Fläche, die von Flüssen und Bächen bedeckt wird, lagen ziemlich weit daneben, wie neuste Forschungen von der University of North Carolina zeigen. Nach ihren Berechnungen sind 773’ooo Quadratkilometer der Erde von Flüssen und Bächen bedeckt. Das sind ganze 44% mehr, als vorher geschätzt wurden und entspricht einem Gebiet mehr als doppelt so gross wie die Fläche Deutschlands.

Reichlich Daten und einiges an Handarbeit

Um herauszufinden, welchen Anteil der Erde Flüsse und Bäche ausmachen, werteten die Hydrologen George Allen und Tamlin Pavelsky tausende von Bildern des NASA Landsat Satelliten aus. Mit von Pavelsky speziell für diese Studie angefertigter Software konnten sie so über 58 Millionen Vermessungen von Flüssen, Bächen und ähnlichen Gewässern vornehmen. Die Forscher schätzten dabei die Flussformen anhand von Messungen der Breite ab. Schliesslich addierten sie die so gemessenen Flächen um auf den totalen Oberflächen-Anteil zu kommen.

Um sicherzustellen, dass die Messungen nicht von der Software verfälscht wurden, überprüfte ein Team von Studierenden das Programm. Eine Hauptsorge der Studienleiter war, dass Strassen oder andere ähnliche Strukturen fälschlicherweise als Fliessgewässer registriert würden, was aber nach Aussage der Wissenschaftlern kaum geschah.

Was heisst das fürs Klima?

Diese neuen Erkenntnisse fordern auch ein Neudenken in Klimamodellen: Flüsse enthalten oft eine Menge Substanzen wie Düngemittel, Siedlungs-Abwässer und erodierter Uferboden. Werden diese im sauerstoffreichen Flusswasser abgebaut, setzt sich Methan, Lachgas und Kohlendioxid frei – allesamt klimaaktiv. Da sich nun herausstellt, dass es signifikant mehr Fluss-Flächen gibt, plädieren die Forschenden dafür, deren Einfluss auf den Klimawandel neu einzuschätzen. Dafür bieten diese Daten eine nützliche Basis.

Die Studie «Global extent of rivers and streams» wurde im Wissenschafts-Magazin Science publiziert.

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