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Verkehrte Welt bei der Nagra

  • Daniela Cervenka
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Das Verfahren in der Atommülllagerung läuft nach wie vor verkehrt, wie die schweizerische Energie-Stiftung (SES) in ihrer heutigen Medienmitteilung schreibt. Anstatt zuerst zu definieren wo das Tiefenlager entstehen soll, werden bereits heute in allen sechs Standortregionen Bauplätze für die oberirdischen Gebäude vorgeschlagen. Diese sollen zum Teil sogar in Grundwasserschutzzonen zu liegen kommen. Das verwundert doppelt, denn die Nagra schafft damit leichtsinnig eine zusätzliche Gefahrenquelle, obwohl es genügend alternative Standorte gäbe. 

Die Nagra hat im Januar 2012 Oberflächenanlagenstandorte vorgeschlagen, wie Naturschutz.ch berichtete, obwohl der Standortentscheid für den sichersten Untergrund noch gar nicht entschieden ist. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die Nagra aufgefordert, einen standortunabhängigen Bericht über die Sicherheit von Oberflächenanlagen in Grundwasserschutzgebieten zu erstellen.

Verkehrtes Vorgehen
Die Behörden nennen ihr Vorgehensprinzip „safety first“. Danach müsste jedoch von unten nach oben vorgegangen werden und nicht umgekehrt. Also zuerst der sichersten Standort mit der besten Geologie festlegen, dann an der Oberfläche den sichersten und bestmöglichen Zugang bestimmen. «Die Standorte für die Oberflächenanlagen eines Atommüll-Tiefenlagers bereits heute zu definieren, ist mehr als fragwürdig», sagt Sabine von Stockar, Projektleiterin der SES. «Niemand weiss zum heutigen Zeitpunkt, wo das Tiefenlager dereinst gebaut werden kann». 

Nagra-Standorte gefährden unser Trinkwasser
In der Oberflächenanlage soll radioaktiver Müll angeliefert, umgepackt und in das Tiefenlager transportiert werden. Es handelt sich also um eine nukleare Anlage, wo Radioaktivität bei einem Zwischenfall austreten und es zu heftigen Verseuchungen von Luft und Gewässern kommen kann. Es ist deshalb mehr als verwunderlich, dass die von der Nagra vorgeschlagenen Standorte allesamt im Gewässerschutzbereich Au liegen, wo Bauen und Graben per se nur eingeschränkt erlaubt ist. Damit schafft die Nagra unnötige Gefahren für unsere Trinkwasserversorgung. Massnahmen, das Grundwassser zu schützen, sind weniger sicher, als Oberflächenanlagen in Grundwasserschutzgebieten gar nicht erst zu bauen.

Schweizerische Energie-Stiftung (SES)
Nagra Bericht „Oberflächenanlagen: standortunabhängige Betrachtungen zur Sicherheit und dem Schutz des Grundwassers“

Bild: von User:Fice (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

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