Lizenz: CC0 Public Domain

Verkauf von kritischen Antibiotika nimmt zu

  • Judith Schärer
  • -

Der Verkauf der Gesamtmenge Antibiotika für Tiere nimmt in der Schweiz weiter ab, während der Verkauf von Antibiotikaklassen, die für die Humanmedizin kritisch sind, leicht zunimmt. Unverändert hoch bleibt der Anteil an multiresistenten Bakterien.

In der Schweiz werden immer weniger Antibiotika für Tiere verkauft: In den letzten sieben Jahren ging der Verkauf um 32% zurück, wie das BLV mitteilt. Die Abnahme basiert hauptsächlich auf einer Reduktion der Verkäufe von Tierarzneimitteln, die in der Nutzviehhaltung zur Behandlung von ganzen Tiergruppen über das Futter verabreicht werden. Dies zeigt der Jahresbericht über den Antibiotikavertrieb in der Veterinärmedizin und das Resistenzmonitoring bei Nutztieren in der Schweiz.

Über den effektiven Einsatz der Antibiotika lässt die Verkaufsstatistik jedoch keine Aussagen zu, da nicht bekannt ist, bei welchen Tierarten, Krankheiten oder über welchen Zeitraum hinweg die Wirkstoffe verabreicht wurden. Die Aussagekraft über die Bedeutung der verkauften Gesamtmenge ist auch deshalb begrenzt, weil verschiedene Antibiotikagruppen unterschiedliche Wirkungsstärke aufweisen. In der Veterinärmedizin werden vermehrt Antibiotikapräparate eingesetzt, die bereits in geringen Mengen wirksam sind. Einige dieser hochwirksamen Antibiotika gelten als kritische Antibiotika für die Humanmedizin. Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Verkaufsmenge dieser Antibiotika nach wie vor hoch ist.

Zunahme von Antibiotika-Resistenzen bei Campylobacter-Bakterien

Übermässiger und unsachgemässer Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin führt dazu, dass immer mehr Bakterien dagegen resistent werden. Zugenommen haben die Antibiotika-Resistenzen bei Campylobacter-Bakterien, die besonders häufig beim Poulet vorkommen, ohne dass die Tiere jedoch daran erkranken. Durch den Konsum von nicht durchgegartem Pouletfleisch können diese Bakterien aber auf den Menschen übertragen werden. Sowohl bei Pouletfleisch inländischer Herkunft (66%), wie auch bei demjenigen ausländischer Herkunft (86%) konnten multiresistente ESBL-produzierende Bakterien (sogenannte ESBL-Bildner) im Fleisch nachgewiesen werden. Auch Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) konnten sowohl auf inländischem (1%), wie auch auf ausländischem Pouletfleisch (16%) nachgewiesen werden.

Obwohl das Risiko einer Ansteckung von Menschen via Lebensmittel gering ist, sollten Konsumentinnen und Konsumenten bei der Zubereitung von rohem Fleisch vier einfache Hygieneregeln beachten: Sauberer Umgang mit Küchenutensilien, Trennung von rohem Fleisch und gekochten Lebensmitteln, ausreichende Erhitzung von Fleisch vor dem Verzehr und Lagerung der Lebensmittel bei sicheren Temperaturen.

Erarbeitung von Antibiotikastrategie und zentraler Datenbank

Um der beunruhigenden Entwicklung von zunehmenden Antibiotikaresistenzen bei Mensch und Tier entgegenzuwirken, wurde das BLV gemeinsam mit dem Bundesamt für Gesundheit und dem Bundesamt für Landwirtschaft mit der Erarbeitung einer nationalen Antibiotikastrategie (StAR) beauftragt. Oberstes Ziel dieser Strategie ist es, die Wirksamkeit der Antibiotika zur Erhaltung der menschlichen und tierischen Gesundheit langfristig sicherzustellen. Zudem ist geplant, eine zentrale Datenbank zur Erfassung der Antibiotikaanwendungen aufzubauen.

 

Den ausführlichen Bericht über den Vertrieb von Antibiotika in der Veterinärmedizin und das Antibiotikaresistenzmonitoring bei Nutztieren in der Schweiz finden Sie hier >>

Weitere Informationen zur Thematik um Antibiotika-Resistenzen finden Sie auf der Seite des Bundesamtes für Lebensmitelsicherheit und Veterinärwesen BLV

Beitrag kommentieren