Rotkopfwuerger

Verflogener Reichtum

  • Dominique Haiden
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Rotkopfwuerger VogelAus alten Archivdaten und Befragungen von Zeitzeugen konnte die Vogelwarte Sempach die Situation der Schweizer Vogelwelt um 1950 rekonstruieren. Die Resultate präsentiert sie nun in einem Historischen Brutvogelatlas. Das Werk dokumentiert die teils dramatischen Veränderungen in der Vogelwelt in den letzten sechs Jahrzehnten. Insbesondere Vogelarten der Feuchtgebiete und des Kulturlands waren um 1950 noch weit verbreitet. Sie erlitten bis heute die grössten Einbussen.

Der Historische Brutvogelatlas illustriert erstmals umfassend und quantitativ die Vogelwelt in den Fünfzigerjahren. Dafür wurden umfangreiche Aufzeichnungen und Erinnerungen der ältesten Vogelkundler zusammengetragen. Bislang war die Vogelwelt unseres Landes erst ab Mitte der Siebzigerjahre gut dokumentiert. Der Blick 60 Jahre zurück macht deutlich, welch gewaltigen Aderlass die heimische Vogelwelt seither erlitten hat.

Zahlreiche heute seltene Arten der Feuchtgebiete und des Kulturlands waren in den Fünfzigerjahren noch weit verbreitet und häufig. Schon in den Siebzigerjahren waren deutliche Rückgänge festzustellen, die sich bis in die Neunzigerjahre intensivierten und bis heute fortsetzen. Wenige Vogelarten profitierten vom zunehmenden Schutz und sind heute weiter verbreitet als in den Fünfzigerjahren. Insgesamt zeigt der Historische Brutvogelatlas, wie vielfältig die Schweizer Vogelwelt einst war. Dieser Reichtum kann nur wiedergewonnen werden, wenn der Schutz und die Förderung der Vögel in der Schweiz deutlich verstärkt werden.

Beispielhaft ist der Rückgang der Insektenvielfalt, der Nahrungsgrundlage vieler Vögel: „Wer abends mit dem Auto unterwegs war, musste regelmässig an einem Dorfbrunnen die Windschutzscheiben reinigen, weil sie von toten Insekten verklebt und fast undurchsichtig waren“, erinnert sich Paul Abt-Hauenstein, ein freiwilliger Mitarbeiter der Vogelwarte. „Heute finde ich meist nur wenige tote Mücken. Da muss man sich nicht wundern, dass Vögel, die Insekten fressen, auch verschwunden sind.“

Weitere Informationen

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Bild: Ruedi Aeschlimann

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