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Vanillearoma aus dem Computer

  • Sophie Ryser
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Schon lange werden sogenannte natürliche Aromen in Lebensmitteln verwendet. Dass diese aus Labors stammen und nicht direkt aus Pflanzen, sondern meist aus Mikroorganismen gewonnen werden, ist mittlerweile auch den meisten Menschen bekannt. Ob das Aroma aus gentechnisch modifizierten Organismen stammt, kann der Verbraucher aber nicht feststellen. Nun könnte schon bald eine neue Produktionstechnik den Markt erobern. Hefezellen mit künstlicher, am Computer errechneter DNA produzieren Vanillearoma.

Die neuen Gentechnik-Hefen wurden von er Schweizer Firma Evolva entwickelt. Der Unterschied zu „normalen“ gentechnisch veränderten Organismen liegt in der Art der eingebauten DNA. Normalerweise wird ein Stück DNA eines fremden Organismus in jene des Wirts eingebaut. Hier wird nun aber die DNA am Computer errechnet, im Labor synthetisiert und anschliessend in die Hefezellen eingesetzt. Trotz diesem künstlichen Verfahren wird das erzeugte Vanillearoma als „natürlich“ beworben. Welches Risiko diese Art der Gentechnik für die Gesundheit oder für Ökosysteme birgt, ist noch unklar.

Vanille, beziehungsweise Vanillin ist eines der am häufigsten verwendeten Aromen. Es kommt in sehr vielen Süssigkeiten, Gebäck, Getränken und auch als Duftstoff zum Beispiel in Parfum vor. Der weltweite Vanille-Markt wird auf 600 Millionen US-Dollar pro Jahr geschätzt. Die Produktion von Vanille aus echten Pflanzen würde niemals ausreichen, um den weltweiten Bedarf zu decken. Allerdings könnte eine neuartige künstliche Produktion im grossen Ausmass Vanillebauern in Entwicklungsländern bedrohen und sogar in den Ruin treiben.

Zudem ist das Hefe-Vanillin nicht unbedingt umweltfreundlich. Hefe braucht zum Leben und für die Produktion des Vanillins sehr viel Zucker. Dies begünstigt den Anbau von Zuckerrohr, meist in Monokulturen und auf Flächen, wo eigentlich Regenwald wachsen würde. Die Produktion von Vanilleschoten hingegen fördert den Erhalt einer intakten Umwelt.

Evolva hingegen ist zuversichtlich, dass sie gute Geschäfte machen werden. Diese neue Methode biete unbeschränkte Möglichkeiten und sei ein „Meilenstein auf dem Weg zu einer ‚grünen Chemie‘.“ Mögliche Risiken werden nicht erwähnt.

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Bild: Thesupermat [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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