Das Usutu-Virus sorgt wieder für tote Amseln – auf dem Bild ein am Virus erkranktes Tier. © Michael Beusch
Das Usutu-Virus sorgt wieder für tote Amseln – auf dem Bild ein am Virus erkranktes Tier. © Michael Beusch

Usutu-Virus tötet mehr Amseln als je zuvor

  • Redaktion Naturschutz
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Das Vogelsterben durch das tropische Usutu-Virus setzt sich auch in diesem Jahr fort und erfasst weitere Regionen in Deutschland. Besonders Amseln sind betroffen. NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Tiere zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden. Bereits 1’500 Meldungen von Usutu-Verdachtsfälle sind beim NABU eingegangen, knapp zwei Drittel davon alleine im August.

Ausbreitung und Zunahme seit 2011

Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das besonders im Spätsommer von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend über Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern sowie ein separater Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin festgestellt werden, wie der NABU in einer Mitteilung berichtet. In diesem Jahr sind offensichtlich vor allem die Regionen um Nürnberg sowie zwischen Bremen und Hamburg erstmals betroffen.

Die Vogelwarte Sempach bestätigte auf Anfrage von Naturschutz.ch, dass auch in der Schweiz schon einzelne Fälle von Usutu bei Amseln festgestellt wurden. Wer eine kranke oder tote Amsel findet, kann den Fund beim Veterinäramt des Wohnkantons melden. Eine zentrale Meldestelle für die Schweiz ist noch nicht eingerichtet.

«Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht», so Lachmann. Ornithologen und Tropenmediziner konnten seit 2011 feststellen, dass immer dann besonders viele Vögel verenden, wenn das Virus erstmals in einer Region auftritt, wie derzeit um Nürnberg, Bremen und Hamburg. In den Folgejahren sinken die Todeszahlen dann auf ein niedrigeres Niveau. Lachmann: «Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus begünstigt haben.»

Bereits 174 Verdachtsfälle

Um die tatsächliche Ausbreitung des Virus dokumentieren zu können, ist es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können. Entsprechende Untersuchungen nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI) sowie manche veterinärmedizinischen Untersuchungsämter vor. Beim BNI sind in diesem Jahr bereits 174 möglicherweise am Usutu-Virus verendete Vögel eingesandt worden. Sie werden derzeit untersucht. Erste Labornachweise des Virus sind erfolgt.

Auch andere Vogelarten können betroffen sein

Durch das Virus verursachte Todesfälle von Vögeln treten jeweils während der Stechmückensaison von Mai bis September auf. Infizierte Vögel wirken offensichtlich krank, apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als «Amselsterben» bekannt wurde. Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können daran sterben. Lachmann: «Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Es bleibt lediglich die einmalige Chance zu nutzen, die Auswirkungen einer für Deutschland neuen Vogelkrankheit auf wildlebende Vogelarten zu dokumentieren und deren Folgen abzuschätzen. Ziel ist es, neuartige Gefährdungsursachen für Vogelarten mit anderen Bedrohungen wie Klimawandel und Lebensraumverlust vergleichen und beurteilen zu können.» Tote Vögel sollen nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte gegriffen werden. Für Menschen besteht nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefahr durch bei Stechmücken-Stichen übertragene Usutu-Viren.

Tote oder kranke Vögel können Sie unter folgendem Link melden: www.nabu.de/usutu-melden

Mehr Infos zum Usutu-Virus: www.nabu.de/usutu  

9 Kommentare

  • Petra

    Auch bei uns im Garten (Kanton Baselland) war eine kranke Amsel, apathisch und flugunfähig. Sie sah aus wie auf dem Bild oben. Traurig!

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  • Monika Sidler

    Im garten meiner Eltern in Neuenhof, 2 infizierte Amseln. Tut mir so leid.

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  • Christine

    In Uetikon am See auch keine Amseln mehr sonst viele in meinem Naturgarten. Auch ein kranker Buchfink war da. Traurig!

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  • Doris GYssler

    Auch in meinem Garten am Waldrand , Gemeinde Fällanden, sind die
    Amseln verschwunden, beobachtet habe ich keine kranken Vögel,
    es ist jedoch durchaus möglich, dass schwache Tiere den Katzen zum Opfer fielen.

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  • beat

    unsere „hausamseln“ sind inzwischen verschwunden… vor drei oder vier wochen sah ich noch eine (die letzte) auf der wiese sitzen, aufgeplustert wie im kältesten frost und recht apathisch… machte kaum anstalten zum fliehen beim annähern… auch im schrebergarten wo jedes jahr irgendwo im efeu die amseln ne brut hatten ist weit und breit keine mehr… wäre interessant zu wissen, wie stark das ganze verbreitet ist und wo in etwa…

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    • Roland

      Bei uns genau gleich: im wilden Garten hielten sich immer mehrere Amseln auf, jeden Abend war der Gessang mehrerer Männchen zu hören. Nach den Sommerferien stellten wir fest, dass keine Amseln mehr da waren. Heute habe ich zum ersten Mal wieder eine gesehen, völlig aufgeplustert, mit fast kahlem Kopf und sehr apatisch. Keine Ahnung, ob das die letze Erkrankte oder eine Überlebende ist.
      Kann man den Tieren irgendwie helfen?

  • Dr. Andreas Gautschi

    In den letzten zwei bis drei Wochen habe ich im Garten-
    und Waldrandbereich meines Hauses in Leimbach AG
    3 solche Amseln angetroffen, die wie im Winter aufgeplustert
    waren und eine sehr geringe Fluchtdistanz von wenigen Metern
    zeigten. Sie waren jedoch noch flugfaehig und verkrochen sich
    im Gebuesch. Ein weibliches Tier und zwei maennliche.

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  • Christine

    Gibt es dieses Virus auch in der Schweiz?Und wem müsste ich, wohnhaft in Zürich, eine tote oder kranke Amsel melden?

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    • Selina Fehr

      Liebe Christine. Danke für Ihre Frage! In der Schweiz wurden auch schon einzelne Fälle von Usutu bei Amseln bestätigt. Sie können einen solchen Fund gerne beim Veterinäramt Ihres Kantons melden. Eine zentrale Meldestelle für die Schweiz ist noch nicht eingerichtet. Liebe Grüsse, Selina Fehr, Redaktion Naturschutz.ch


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