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Unterwegs in botanischer Mission – ein Erlebnisbericht

  • Kathrin Ruprecht
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Welche Pflanzen findet man an einem Frühlingstag im Kanton Zürich? Dieser Frage und mehr gehen die Kartierenden des Projekts „Flora des Kantons Zürichs“ nach. Es geht darum, ein Inventar der Pflanzen und die Änderung der Verbreitung im Kanton zu erforschen. Wie das praktisch so abläuft, möchte ich euch gleich erzählen.

Nochmals Glück gehabt! Der Wetterbericht hat schon Sturm und Regen angesagt aber als ich dann an meinem ersten Kartiertag am Bahnhof auf meine Mitkartierenden wartete, blieb der Regen aus.

Letzten Winter, im den grauen Tagen, hat mich die Sehnsucht nach Sommer und blühenden Pflanzen dazu getrieben, mich im Internet mal etwas nach botanischen Aktivitäten umzuschauen. So bin ich dann auf die Züricherische Botanische Gesellschaft gestossen. Gleich am drauffolgenden Mittwoch war wieder ein Vortrag geplant über die FloZ-Kartierung und über invasive Neophyten im Kanton Zürich.

Die FloZ-Kartierung, erfuhr ich, ist ein Projekt der Botanischen Gesellschaft, das von der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich sowie weiteren Organisationen unterstützt wird. FloZ, was eine Abkürzung für „Flora des Kantons Zürich“ ist, hat zum Ziel ein aktuelles Inventar der Pflanzen im Kanton Zürich zu erstellen und mittels historischer Vergleiche die floristische Entwicklung im Kanton nachzuvollziehen. Wie das genau gemacht wird, wurde im Vortrag oder dann spätestens am Apéro auch gleich erläutert.

Und so dauerte es nicht lange und ich hatte mich schon für die aktuelle Kartierung gemeldet und mir ein „Quadrat“ geangelt. Ein Quadrat ist eines der 210 1 km2 grossen Kartierflächen, die regelmässig über den ganzen Kanton verteilt sind, um möglichst eine repräsentative Blick auf die ganze Flora im Kanton zu erreichen.

So stand ich nun, bepackt mit Bestimmungsliteratur, Lupe, dem Plan des Quadrates und vielen anderen Formularen, am Bahnhof. Bevor es los geht, lohnt sich mal einen Blick auf die Karte. Auch ein Satelliten-Bild ist dabei. So konnten wir schon einen ersten Eindruck gewinnen, wo es Wiesen, Wälder, Feuchtgebiete hat. In unserem Quadrat hat es vor allem viele Strassen und somit auch viele Strassenränder. Auch die wollen untersucht sein. Nicht weit sind wir gekommen, da finden wir schon den ersten grünen Fleck. Nun wird alles untersucht was irgendwie Blüten hat. Denn ohne Blüten ist eine Bestimmung der Art meist nur schwer möglich. Wir finden Ehrenpreis, hm aber welchen genau? Ein Blick ins Bestimmungsbuch und ein Check mit der Bestimmungs-App sollten helfen. Ja, die Blätter sind länger als breit, die Blüten 8-12 mm lang und der Stängel nicht so dünn wie beim Faden-Ehrenpreis: Das muss der Persische Ehrenpreis sein.

Veronica persica
Veronica persica

Auch finden wir leicht übersehbare Pflanzen wie das Waldschaumkraut und das Hungerblümchen. Und was blüht denn da unter dem Allee-Baum? Eine Osterglocke! Wir konsultieren kurz die Regeln und finden heraus, dass angepflanzte Arten nicht zu zählen sind. Beim Allee-Baum ist der Fall klar: dieser Baum ist angepflanzt! Bei der Osterglocke ist es etwas schwieriger. Könnte angepflanzt sein oder auch ein Gartenflüchtling, eine Pflanze die sich aus einem Garten heraus selbständig verbreitet hat. Da das Gebiet nicht sehr typisch für die Osterglocke ist und der menschliche Einfluss an diesem Standort gross ist, entscheiden wir, dass die Pflanze wohl eher angepflanzt ist.

Weiter geht es, auch wenn auch nur sehr langsam. Jeder grüne Fleck wird kurz inspiziert. So stossen wir natürlich auf den Löwenzahn (Taraxacum officinalis), Gänseblümchen (Bellis perennis), rote Taubnesseln (Lamium purpureum) und das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria). Unter Bäumen finden wir viele Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und auch den mir bisher unbekannten hohlen Lerchensporn (Corydalis cava). Und am Seeufer blüht eine ganze Armee von Huflattichen (Tussilago farfara)!

Um sicher zu gehen, packen wir einige Exemplare von uns nicht ganz klar bestimmbaren Pflanzen ein, am Besten gleich mit der Wurzel. Denn am Abend findet noch gleich ein Bestimmungsabend statt. Dort werden wir den Experten um seine Meinung bitten.

Ausser der verschieden Arten, notieren wir uns auch immer die geschätzte Anzahl der jeweiligen Art. Hier ist ein wenig Übung gefragt, oft wird die Anzahl drastisch unterschätzt. Mein Mitkartierender erzählt mir von seiner Disseration: Da hat er, um eine Kontrolle zu haben, einmal auf einer kleinen Fläche alle Pflanzen ausgerissen und gezählt. Die gezählte Menge war erstaunlich hoch! So genau nehmen wir es hier aber nicht und ausreissen geht sowieso nicht. Für unser Projekt reicht es die Anzahl in die Kategorien, weniger als 10, 10-100, usw. einordnen zu können. Das ist aber auch nicht ganz einfach, denn die Kategorie soll die Anzahl der Pflanzenart im ganzen Quadrat repräsentieren.

Nach etwa 3 Stunden beschliessen wir die Kartierung für heute ruhen zu lassen. Noch sind viele der verschiedenen Lebensräume im Quadrat nicht besichtigt worden. Da werden wir nächste Woche noch vorbei gehen. Damit wäre dann die Frühjahrskartierung vollendet. Um alle Pflanzenarten zu erwischen, werden wir auch noch im Sommer und im Herbst weitere Begehungen durchführen. Und wenn wir das Gleiche nochmals nächstes Jahr wiederholen, können wir uns sicher sein, möglichst viele der Arten notiert zu haben.

Unsere Daten, zusammen mit den Daten aller Quadrate im Kanton, geben dann Aufschluss auf die Verteilung und Abundanz der Pflanzenarten im Kanton Zürich. Vor allem interessant kann es werden, wenn diese Daten mit historischen Angaben verglichen werden. Oder mit Daten, die unsere Kinder, Grosskinder und Urgrosskinder erheben werden?

Link zum Floz-Projekt: www.floz.zbg.ch

Link zur Zürcherischen Botanischen Gesellschaf: www.zbg.ch

1 Kommentar

  • Petra

    Super Erlebnisbericht! Genau so ist es, es macht wirklich Spaß, ist lehrreich und ein wichtiger Beitrag für unsere Flora! Übrigens an Pfingsten geht die Kartierung weiter, wenn ihr noch nichts vorhabt!

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