Steinböcke, Gämse und Hirsche halten sich aufgrund des Klimawandels vermehrt in höher gelegenen Gebieten auf. | © Fulvio Spada [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Steinböcke, Gämse und Hirsche halten sich aufgrund des Klimawandels vermehrt in höher gelegenen Gebieten auf. | © Fulvio Spada [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Unsere alpinen Stirnwaffenträger schnuppern vermehrt Höhenluft

  • Mélanie Guillebeau
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Ein internationales Forschungsteam unter Führung der WSL hat aufgezeigt, dass es Gämse, Steinböcke und Hirsche – allesamt Vertreter der Stirnwaffenträger – im Spätsommer und Herbst zunehmend in höhere Alpengegenden zieht – wahrscheinlich aufgrund des Klimawandels.

Der voranschreitende Klimawandel hat grossen Einfluss auf das Verhalten sowie die Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten. Vielerorts wandern Tiere – falls möglich – in höher gelegene Gebiete ab, um den Temperaturanstieg auszugleichen. Gemäss einer Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) bleiben auch unsere Alpen nicht von der Klimaerwärmung verschont: So wurde in den letzten 20 Jahren ein Anstieg der mittleren September- und Oktobertemperaturen um 1.3 °Celsius verzeichnet. Und wie haben die ansässigen Stirnwaffenträger darauf reagiert?

Abwandern in die Höhe

Die Forscher konnten dank einer detaillierten Abschussstatistik des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden aufzeigen, dass sich die häufigsten Huftier-Vertreter in den Alpen für die Nahrungsaufnahme stetig in höhere Gegenden begaben: Zwischen 1991 und 2013 liegen nicht nur 22 Jahre, sondern bezüglich der Aufenthaltsorte von Steinböcken, Gämsen und Rothirschen zudem durchschnittlich 135, 95 bzw. 80 Meter Höhenunterschied.

„Dieser Datensatz ist einmalig und zeigt, dass auch grosse, warmblütige Tierarten auf die steigenden Umgebungstemperaturen reagieren“, kommentiert Kurt Bollmann, Wissenschaftler der Forschungsgruppe Naturschutzbiologie der WSL und Mitautor der Studie.

Es scheint also, dass sich unsere alpinen Huftiere ebenfalls an die Klimaveränderung anpassen zu versuchen. Der gemessene Höhenunterschied kann jedoch jährlich je nach Umweltbegebenheiten und Tierart variieren. Wenn der Herbst lau und von Schnee verschont bleibt, werden Huftiere, die in der Regel Weiden und alpine Rasen abgrasen, tendenziell in höheren Lagen gesichtet – dazu zählen Gämse, Steinböcke und Rothirsche. Das Reh hingegen hält sich grundsätzlich vermehrt in Waldgebieten auf, wodurch die Abwanderung in die Höhe weniger stark ausfällt.

Rehe sind stärker an Waldgebiete gebieten. Daher ist die Abwanderung in höhere Lagen auch weniger ausgeprägt. | © fra298 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Rehe sind stärker an Waldgebiete gebunden. Daher ist die Abwanderung in höhere Lagen auch weniger ausgeprägt. | © fra298 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Ein Trend, der sich fortsetzt?

Vertraut man auf die aktuellen Klimamodelle, wird sich der bisher beobachtete Temperaturanstieg fortsetzen. Dieser Trend wird sich auf das Angebot und die Qualität der Nahrung auswirken. Es kann daher vermutet werden, dass unsere alpinen Huftiere weitere Anpassungen vollziehen werden müssen. Wie die WSL in ihrer Medienmitteilung betont, ist jedoch unklar, ob sich dies längerfristig in den Bestandszahlen niederschlagen wird.

Weitere Informationen können Sie der Medienmitteilung der WSL oder der originalen Studie „Elevational range shifts in four mountain ungulate species from the Swiss Alps“ von Büntgen et al. (veröffentlicht in „Ecosphere“) entnehmen. 

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