Palmölplantage

Unser täglich Palmöl gib uns heute

  • Nora Kieselbach
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Etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Doch mit dem Einkauf von Margarine, Pizza, Schokoriegel, Waschmittel, Cremes oder Lippenstift entscheiden wir auch über das Schicksal bedrohter Arten wie Orang-Utan oder Tiger – und des Regenwaldes, berichtet WWF Deutschland. Denn die stetig wachsende Nachfrage auf dem Weltmarkt führt dazu, dass für Palmölplantagen in grossem Stil tropische Wälder gerodet werden.

Palmöl ist mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch das weltweit wichtigste Pflanzenöl, es ist billig und vielseitig verwendbar. Ob Margarine, Schokolade, Chips, Suppen, Saucen, Pommes Frites oder Fertiggerichten, in alldem steckt Palmöl, gekennzeichnet als „pflanzliches Öl“ oder „vegetabiles Fett“.

Palmkernöl ist ausserdem Bestandteil von Hautcreme, Seife, Sonnenmilch, Körperlotion, Lippenstift und anderen Kosmetikprodukten. Aus Palmkernöl können Tenside hergestellt werden, die in Duschgels, Shampoos und in Wasch- und Reinigungsmitteln stecken. Palm- oder Palmkernöl ist zudem in Schmiermitteln, Kerzen, Farben und Lacken enthalten. Fünf Prozent der Palmöl-Ernte werden weltweit als Rohstoff für die Strom- und Wärmeproduktion und als Biokraftstoff genutzt – mit steigender Tendenz. Und vor allem in den bevölkerungsreichen Staaten Indien und China decken viele Menschen ihren täglichen Fettbedarf mit Palmöl.

Das Hauptanbaugebiet der Ölpalme liegt heute neben Südamerika und Afrika hauptsächlich in Indonesien und Malaysia. Seit 1990 hat sich die Fläche für Ölpalmen weltweit verdoppelt, in Indonesien sogar verzehnfacht. Palmölplantagen bedecken weltweit inzwischen zwölf Millionen Hektar Fläche. Diese riesigen Monokulturen bedrohen die biologische Vielfalt und gefährden den Lebensraum bedrohter Tierarten wie Orang-Utan und Tiger.

Regenwälder auf Torfmoorböden sind zudem gigantische Kohlenstoffspeicher, welche bis zu 50-mal mehr Kohlenstoff speichern können als eine gleichgrosse Fläche „normalen“ Regenwaldes. Tropische Torfmoorwälder gibt es vor allem in Indonesien, meist in tiefliegenden, küstennahen Gebieten auf Sumatra, Borneo und Neuguinea. Werden sie bei der Einrichtung von Palmölplantagen trockengelegt, werden Treibhausgase frei. Indonesien ist dadurch zum drittgrössten Treibhausgas-Emittenten der Erde geworden.

Trotzdem ist Palmöl grundsätzlich kein schlechtes Öl. Mit Palmöl kann auf vergleichsweise geringer Fläche ein grosser Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen gedeckt werden. In vielen Ländern ist Palmöl ein schwer zu ersetzendes Nahrungsmittel und bildet die Lebensgrundlage von Kleinbauern – also auch eine Chance zur Armutsbekämpfung. Doch wie bei fast allem kommt es auch bei Palmöl auf das Wie der Produktion an. Die Herstellung muss anders werden, als sie heute grösstenteils ist – nämlich ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich. Einen Mindeststandard für den Anbau von Palmöl bietet der Runde Tisch für Palmöl (RSPO), an dem der WWF mitarbeitet. Wie  Schweizer Detailhändler in Sachen nachhaltig produziertes Palmöl abschneiden, erfahrt ihr hier.

Weitere Informationen

WWF Deutschland

Bild: Wagino 20100516 [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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