© hpgruesen [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
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UN-Bericht prangert Pestizidgebrauch an

  • Mélanie Guillebeau
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Wissenschaftler der Vereinigten Nationen haben einen Bericht veröffentlicht, der den Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft an den Pranger stellt. Es wird betont, dass es an der Aufklärung über deren Gefahren mangelt oder diese von der Industrie unter den Teppich gekehrt werden. 

Die Weltbevölkerung wächst stetig, und mit ihr der Anbau und Konsum von Nutzpflanzen. Hersteller von Pestiziden bestehen darauf, dass die erhöhte Nachfrage nach Nahrungsmitteln ohne den Einsatz von Pestiziden nicht gedeckt werden kann. Mit der Vorstellung eines neuen Berichts beim letzten Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) wird diese Aussage zunichte gemacht.

Im Bericht betonen die Urheber, dass zwar Verbote und Regulationen für bestimmte gefährliche Pestizide ausgesprochen wurden, aber deren Einhaltung unvollständig überprüft wird. Besonders brisant ist zum Beispiel der regelmässige Export von verbotenen Risiko-Substanzen in Entwicklungsländer. Anstatt weitere Regulationen zu erlassen, wird daher der komplette Ausstieg aus der industriellen Landwirtschaft empfohlen.

„Wir haben einen Wendepunkt in der Landwirtschaft erreicht. Das heutige, weltweit überwiegend angewendete Landwirtschaftsmodell ist äusserst problematisch. Nicht nur aufgrund der Schäden verursacht durch Pestizide, sondern auch deren Auswirkungen auf den Klimawandel und den Verlust von Biodiversität“, so José Graziano da Silvo, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN.

Neu sollen nicht-chemische Alternativen Vorrang haben – nur in einzelnen, nachvollziehbaren Fällen soll der Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel erlaubt sein. Der biologische Anbau von Lebensmitteln soll durch Subventionen unterstützt werden. Wohingegen Subventionen für Pestizide – wie sie vor allem in Drittweltländern gebräuchlich sind – durch Steuern und Zölle ersetzt werden soll. Im Vordergrund sollen zudem Kampagnen rücken, welche einer grossen Masse die unerwünschten und schädlichen Ursachen von Pestiziden vor Augen führen.

Damit Änderungen erzielt werden können, ist vor allem eines zentral: Es muss politischer Druck auf die Pestizid-Industrie ausgeübt werden. Momentan sind Pestizid-Hersteller am Hebel und können öffentliche und politische Entscheide gezielt nach ihren Interessen und Absichten steuern.

Schlusslicht Schweiz

In Europa profitieren wir und unsere Umwelt von zusätzlichen Regulationen im Umgang von Pestiziden. So ist zum Beispiel der Einsatz von Neonicotinoid-Pestiziden verboten, welche mit dem grossen Sterben einheimischer Bienenvölker in Verbindung gebracht wurden.

In der Schweiz wird vor allem im Reben- und Obstanbau eine überdurchschnittlich hohe Menge an Pestiziden gesprüht. Im Getreideanbau wird dafür mehrheitlich auf den Einsatz von Pestiziden für die Bekämpfung von Insekten und Pilzen verzichtet. Im aktuellen Aktionsplan „Pflanzenschutzmittel“ evaluiert und revidiert der Bund momentane Regelungen mit dem Ziel Kulturen, Menschen und die Umwelt zu schützen. Aber wohl gemerkt ist die Schweiz einer der letzten Länder Europas, dass sich für die Reduktion von Pestiziden in der Landwirtschaft einsetzt.

3 Kommentare

  • Kurt Schneeberger

    Was glauben Sie, was ich heute nebst Jauchefässern am häufigsten auf „unseren“ Feldern beobachtet habe..? Genau.., Fahrzeuge in allen möglichen Grössen für die Ausbringung von Agrochemie.
    Und wo geht diese Chemie hin, wenn sie ihre wunderbare Wirkung zu Ernährungssicherheit von Herr und Frau Schweizer erfüllt hat?
    Sie löst sich auf… – Alles ganz unbedenklich, so unlängst ein Schweizer Bauer, weil es sonst gar nicht verwendet werden dürfte und ausserdem sei alles durch den Bund STRENG kontrolliert. Aus dieser Augenwischermentalität heraus wurde auch das Marienkäfer-Plakat erfunden, welches uns an allen Scheunen und Ställen diese „Naturnahe Produktionsweise“ suggerieren soll.
    Glücklicherweise hat der Bund nun einmal mehr und wahrscheinlich unter dem Druck der fragwürdigen Bauerninitiative „Für Ernährungssicherheit“ ein neues Agrarkonzept ausgearbeitet, welches nun vermehrt auf die Ökologische Landwirtschaft lenken soll (Anstelle eines Schlusspunktes in diesem Satz, müsste ich nun lauter Fragezeichen setzen). Hatten wir doch schon mal… Da sollte doch auch z.B. die Biodiversität verbessert werden. Und hat sie sich verbessert? NEIN!
    Die einzig messbare Wirkung wird sein, dass der Landwirtschaft erneut mehr finanzielle Mitteln zufliessen werden.

    Dieses neue Agrarkonzept wird noch dieses Jahr dem nicht informierten und vielfach uninteressierten Schweizer Stimmvolk zur Abstimmung unterbreitet.

    Ich hoffe schon jetzt, dass dieses Gesetz nicht durchkommt, weil es eine „Besänftigungsinitiative für den Bauenrverband“ ist – mit vermutlich vielen unsichtbar verpackten Zugeständnissen an diese – sonst hätte der Bauernverband seine Initiative „Für Ernährungssicherheit“ sicher nicht zurückgezogen und weil der Bereich Ökologie durch dieses neue Gesetz wohl nicht wirklich, wenn überhaupt, gestärkt werden wird.

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  • Kurt Schneeberger

    …“Im Getreideanbau wird dafür mehrheitlich auf den Einsatz von Pestiziden für die Bekämpfung von Insekten und Pilzen verzichtet.“
    Wo haben Sie denn dieses Märchen her..? Etwa vom Schweizerischen Bauernverband?

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  • Uwe Scheibler

    Schon im ersten Satz eine ökologische Grundbeziehung auf den Kopf gestellt, eine beachtliche Leistung! Jede Population – und da macht der Homo sapiens keine Ausnahme – wächst nur soweit auch Nahrung und andere notwendigen Dinge vorhanden sind. Die Weltbevölkerung wächst also nicht per se, sie kann nur deshalb wachsen, weil wir immer mehr Nahrung produzieren. Diese Verdrehung der Wahrheit ist aber genau der Mythos, den die weltweit agierenden Agrarkonzerne gerne aufbauen, um damit von der Frage der grundlegenden Tragfähigkeit des Systems Erde abzulenken. Dieses ist physisch begrenzt, die Proftgier von Nestlé, CocaCola und Konsorten ist es nicht.

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