© Bodensee Wikimedia Commons - Olsine
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Umweltverbände präsentieren Aktionsplan Bodensee

  • Kathrin Ruprecht
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Sauberes Trinkwasser für 4,5 Millionen Menschen – eine beeindruckende Zahl. Der Bodensee kann diesen Wasserbedarf in seinem heutigen Zustand problemlos decken. Wird das auch in Zukunft so sein? Den Bodensee erwarten zahlreiche Herausforderungen, die heute angegangen werden müssten.

Der Bodensee beeindruckt mit seiner schier unendlichen blauen Fläche, seinen schönen Uferwegen und guten Badestellen. Der Bodensee muss aber auch wie kaum ein anderer unterschiedlichsten Anforderungen genügen: drei Länder grenzen an ihn, 4,5 Millionen Menschen erhalten aus diesem grössten Trinkwasserspeicher Europas ihr Wasser, 153 Berufsfischer befahren und 36 einheimische Fischarten bewohnen ihn. Da stellt sich die Frage der Gewichtung, schreibt der WWF und Aqua Viva. Ist Ökonomie wichtiger als Ökologie? Sollen wir kurzfristig nutzen oder langfristig erhalten? Diesen Fragen geht das aqua viva-Themenheft „Bodensee“ auf fast 50 Seiten nach. Claudia Friedl, Nationalrätin und Mitautorin, betont: „Nur wenn alle Akteure das Wohl des Bodensees im Sinn haben, wird uns dieser auch in Zukunft mit Trinkwasser, Fischen und Naturreichtum versorgen.“

Damit alle Bodensee-Akteure an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen, gibt es nun erstmals eine konkrete Zielsetzung: Die Umweltplattform «Lebendiger Alpenrhein» hat ein 10-Punkte-Programm erarbeitet. Dieser „Aktionsplan für einen lebendigen, naturnahen Bodensee“ entstand unter anderem aus den Beiträgen der Expertinnen und Experten, welche ihre lange Erfahrung in den Artikeln im aqua viva-Themenheft „Bodensee“ einfliessen lassen. Überzeugend ist das 10-Punkte-Programm auch dank seinen konkreten und überprüfbaren Zielsetzungen.

So wird es – wenn alles gut geht – in 10 Jahren heissen: Wir als Besucher dieses grandiosen Gebiets werden mit Fusswegen geschickt gelenkt und sensibilisiert. Die Kläranlagen haben aufgerüstet, sie halten mit den vier Reinigungsstufen (Filtration, mechanische, biologische und chemische Reinigung) das Trinkwasser frei von Nanopartikeln und Giftstoffen. Gegen 80 Kilometer des total 273 Kilometer langen Ufers sind renaturiert – die Riednelke, sie galt als ausgestorben, ist wieder häufig am Bodensee. Die Wasserkraftwerk-Betreiber setzen die Verbesserungsvorschläge zu Fischwanderhilfen, Geschiebehaushalt und Schwall-Sunk um. Schutzgebiete wurden um 10% vergrössert.

„Und dank diesen Massnahmen wird auch die in der Schweiz gefährdete Seeforelle wieder prächtig gedeihen.“ freut sich Lukas Indermaur, Projektleiter «Lebendiger Alpenrhein», auf die Zukunft. Die Seeforelle hat neben sauberem Wasser dann auch wieder frei passierbaren Zugang zu den Zuflüssen und damit zu ihren Laichgebieten.

Dieser hoffnungsfrohe Blick nach vorne trübt sich beim Thema „Fracking“. Die Methode zur Gasgewinnung aus dem Untergrund ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Qualität des Bodenseewassers. Zur Kühlung eingesetzte Chemikalien schaden Tieren und Menschen gleichermassen. Fracking am Bodensee ist darum auch für die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva keine Option. „Hände weg vom Fracking!“ bringt es Stefan Kunz von Aqua Viva auf den Punkt.

Stefan Kunz und Lukas Indermaur sind überzeigt, dass das 10-Punkte-Programm eine schrittweise Verbesserung des Ökosystem Bodensees ermöglicht – für sauberes Trinkwasser, für die einheimischen Arten, und für eine einzigartige Naturwelt – zum Geniessen, Erholen, Bestaunen und Entdecken.

Erfahren Sie mehr über den Bodensee, über seine Fische und Pflanzen, über die Anliegen von Schutz und Nutzung, und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Einen Probeartikel sowie das 10-Punkte-Programm aus dem aqua viva-Themenhefts „Bodensee“ finden Sie unter www.zeitschrift.aquaviva.ch.

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