Heliskiing

Gestoppt: Überprüfungsverfahren für Gebirgslandeplätze

  • Nicole Wabersky
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Im Oktober 2000 erteilte der Bundesrat dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) den Auftrag, das bestehende Netz der Gebirgslandeplätze (GLP) in der Schweiz im Rahmen des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt zu überprüfen. Auch sollte die Grundsatzfrage geklärt werden, ob und in welchem Ausmass das Heliskiing weiter betrieben werden soll. Ziel der Überprüfung war es, Beeinträchtigungen von Natur- und Landschaft durch die Gebirgsfliegerei zu verhindern.

Knapp 14 Jahre danach und ohne nennenswerte Resultate entschied der Bundesrat heute, diesen Prozess abzubrechen. Es bestehen unüberbrückbare Differenzen zwischen der Haltung der direkt Betroffenen, welche sich überwiegend für den Erhalt der heutigen Situation mit punktuellen Verbesserungen einsetzen, und nationalen Verbänden und Interessenvertretern, die teilweise einschneidende Beschränkungen der Anzahl und Nutzungsmöglichkeiten der GLP verlangen.

„Aus unserer Sicht ist dieser ganze Prozess ein Armutszeugnis für das federführende Bundesamt BAZL. Dieses war von Anfang an mit den divergierenden Interessen überfordert und hatte kein wirkliches Interesse, in der Sache weiterzukommen“ meint Rolf Meier, Kampagnenleiter «Stop Heliskiing» bei mountain wilderness Schweiz.

Mit dem heutigen Entscheid wird den Interessen der Flugbranche vollumfänglich Rechnung getragen. Das heisst: Mehrere 10’000 touristische Flüge und 42 Gebirgslandeplätze, 17 davon in geschützten Landschaften von nationaler Bedeutung oder UNESCO-Weltnaturerbe. So wird auch der GLP Monte Rosa weiter genutzt. Dieser wurde eigentlich 2012 durch das ENHK so eingestuft, dass er die Ruhe und Stille der Naturlandschaft stört und es empfohlen wurde, den GLP Monte Rosa nicht weiter zu nutzen.

Dies ist eine unsägliche weiter bestehende Lärmbelastung für die betroffenen Standortgemeinen, deren Bewohner, Gästen sowie wildlebenden Tieren. Die Schweiz nimmt zudem weiterhin einen traurigen Spitzenplatz ein: Sie bleibt das Land in Europa mit den meisten Gebirgslandeplätzen.

Mitteilung von mountain wilderness Schweiz
Weitere Informationen zum Entscheid des Bundesrates

1 Kommentar

  • Arno Gross

    Heliskiing wie auch die übrige touristische Fliegerei sind ein grosses Geschäft. Die zahlungskräftigen Touristen, die sich ein solches Vergnügen leisten wollen und können, sind aber eine klare Minderheit, die Mehrheit der Touristen hat dagegen nur den Lärm zu ertragen.
    Der Tagesanzeiger spricht in der Ausgabe vom 14. Mai von einem Konflikt zwischen touristischen und ökologischen Interessen und übernimmt dabei unkritisch die eigennützige Behauptung der Helilobby (und des Bazl), dabei handelt es sich um einen Konflikt zwischen Umwelt- und Naturschutz und handfesten wirtschaftlichen Interessen.
    Dass die Betreiber der Helifliegerei sich dieses gute Geschäft nicht vermiesen lassen wollen, ist begreiflich. Dass das Bazl diese aber seit Jahren hemmungslos unterstützt, ohne dass das Uvek (früher BR M. Leuenberger, heute BR D. Leuthard) dagegen einschreitet, ist ein Skandal.

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