© Arturek28 at pl.wikipedia [CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons
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TSB: Fischewerfen ist ein Affront gegen Lebewesen

  • Nicole Wabersky
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Der Tierschutzbund Zürich (TSB) fordert in einem Brief die Schiffleutenzunft auf, „ihr Brauchtum des Fischewerfens zu beenden und durch eine kreative Alternative zu ersetzen“. Von der Stadt Zürich verlangt der TSB, dass Umzüge verboten werden, bei denen Tierkadaver geworfen werden dürfen.

„Es ist ein Affront gegen Lebewesen, wenn mit ihnen zur Belustigung ins Publikum und gegen Häuserfassaden geworfen werden darf“, kritisiert York Ditfurth, Präsident des Tierschutzbundes Zürich. Geworfen werden die Fische beim jährlichen Sechseläuten-Umzug von den Stubengesellen, dem Nachwuchs der Schiffleutenzunft.

Das Werfen der Fischkadaver wurde noch nie genehmigt. Der Rechtsdienst der Stadt Zürich teilte dem TSB mit, dass es bis heute keinen Prüfungsanlass gab, da weder ein Antrag noch eine Klage vorlag. „Wir haben mehrere Tage recherchiert, um herauszubekommen, wer für eine solche Genehmigung zuständig ist und schliesslich einen Antrag auf eine Demonstration inklusive Fischewerfens gestellt. Sechs Wochen nach Antragstellung erteilte uns die Stadt Zürich die Genehmigung“, berichtet York Ditfurth.

Für den TSB ist es nicht akzeptabel, dass mit Lebewesen, auch wenn sie tot sind, derart unwürdig umgegangen wird. „Es ist ein Affront gegen das Leben und respektlos gegen Tiere, die zudem noch Opfer einer aus den Fugen geratenen Fischfangpraxis geworden sind“, erklärt der TSB in seiner Mitteilung.

Bei den Fischen handelt es sich um sogenannten Beifang. „Es sind Tiere, die als Nahrung für andere Tiere überlebenswichtig sind. Es sind Weissfische (Aesche) und/oder Schwalen (Rotauge). Diese als unwert abzustufen, nur weil sie nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind und als Wurfgeschosse zu missbrauchen, darf von der Stadt Zürich nicht genehmigt werden“, so York Ditfurth.

2 Kommentare

  • Barbara Dahortsang

    Ich finde es wünschenswert, der Argumentation des TSB zu folgen und auf das Werfen mit toten Fischen ab dem nächsten Sechseläuten zu verzichten. Es ist ja auch nicht zum ersten Mal, das Menschen an diesem Treiben berechtigt Anstoss nehmen. Zeiten ändern sich, der „Beifang“ sei nur etwas für Katzen, heisst es, also muss man damit auch nicht symbolisch Fenster, Balkone oder „arme Leute“ bewerfen (die dies dann wohl als Zuwendung in Realien dankbar entgegennehmen dürfen?). Egal ob die Fische zum menschlichen Verzehr geeignet sind oder nicht, es ist unanständig, mit ihnen so ein primitives Gaudi zu veranstalten. Herumaasen nennt man so etwas auch. Wenn man mit frischem Alpkäse werfen würde, oder Fondue in die Strasse gösse, gäbe es wohl keine solche Diskussion. Brötchen werden wohl auch geworfen, wie ich hörte. Die kann man wenigstens noch auffangen. Aber auch das ist jenseits des Ethischen, wenn das meiste nachher im Kübel landet. Die Zunftherren sind wohl schwer von Begriff. Zu verwöhnt!!!

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  • Christine Dobler Gross

    Was Ditfurth sagt, ist enorm wichtig: wenn wir etwas für uns nicht nutzen können (Weissfische) oder die Bedeutung einer Tierart als solches in Frage stellen, weil sie uns lästig ist (z.B. Wespen), so zeugt das von Unwissenheit, Arroganz und Überheblichkeit, solches Leben als unwert abzuklassieren. Was das Brauchtum anbelangt, so kann man den Symbolwert beibehalten mit symbolischen Fischen (etwas Phantasie ist gefragt) und nicht mit echten. Man argumentiert ja bei Mädchenbeschneidungen auch nicht mit dem Brauchtum und befürwortet diese deshalb.

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