© "Anwendung von Glyphosat" von Paul Schulze, Humboldt-Universität zu Berlin [CC-BY-SA-3.0], via flickr
© "Anwendung von Glyphosat" von Paul Schulze, Humboldt-Universität zu Berlin [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Trotz Hinweise auf kanzerogene Wirkung: Bund hält Glyphosat für unbedenklich

  • Kathrin Ruprecht
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Trotz der Einstufung des Herbizidswirkstoffes Glyphosat durch Experten der Krebsforschung als wahrscheinlich krebserregend, schätzt der Bund die Gefahr als gering ein. Anders reagierten einige Detailhändler: Sie nahmen glyphosathaltige Produkte aus dem Angebot.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte vor ein paar Monaten den Herbizid Wirkstoff Glyphosat aufgrund von Studien neu als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft (siehe Artikel vom 27. März). Dann war es an der Reihe des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Konsequenzen für die Handhabung des Giftes in der Schweiz zu ziehen.

Der Bund bevorzugt aber der Einschätzung internationalen Expertengremien, wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), zu glauben. Dies beteuern weiterhin, die Substanz sei weder krebserregend noch reproduktionsschädigend.

Glyphosat ist in vielen Herbiziden enthalten, wie zum Beispiel in Roundup. Diese werden, nebst der Landwirtschaft, auch von Privaten eingesetzt. Schneller als der Bund haben einige Verteiler reagiert: In den Coop und Migros Filialen wurden glyphosathaltige Produkte, schon kurz nach bekannt werden der neuen Einstufung, aus den Regalen verbannt.

In der Landwirtschaft werden in der Schweiz pro Jahr etwa 300 Tonnen Herbizide auf Glyphosat Basis ausgebracht. Dass dieses nicht immer ganz auf dem Feld bleibt hat eine Untersuchung von Pro Natura und Friends oft he Earth Europe im Frühling 2013 bewiesen. Sie konnten die Substanz im Urin von Menschen aus ganz Europa nachweisen.

Während in Europa das Gift vergleichsweise moderat eingesetzt wird, werden in Südamerika die Felder vom Flugzeug aus mit glyphosathaltigen Herbiziden gespritzt. In diesen Regionen konnte eine erhöhtes Krebsrisiko, bei Kindern und Jugendlichen, festgestellt werden. Auch die Anzahl Neugeborener mit Missbildungen nahm zu.

Auf den mit Glyphosat behandelten Felder wächst ein genetisch veränderter Mais, der gegen das Herbizid resistent ist. Dieser Mais wird dann als Futtermittel für, zum Beispiel, die Schweinezucht verwendet. Auch hier kam es zu einer auffälligen Häufung der Missbilungsfällen bei den Ferkeln, wie ein Züchter verriet.

Das Herbizid scheint einige negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt zu haben. Wahrscheinlich sogar bei genauer Einhaltung der Anwendungsvorschriften. Der Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden sollte deshalb verboten werden, auch wenn einige Firmen damit ihr Geld verdienen.

Unterstützen Sie die Petition „Glyphosat verbieten – jetzt!“ in dem Sie Ihre Unterschrift hinzufügen.

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