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Trockengelegt

  • Nora Kieselbach
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Der Ausstieg der Schweiz aus der Atomenergie ist beschlossene Sache – und somit alternative Energiequellen gefragt, unter anderem auch Wasserkraft. Doch das Problem der Restwassermenge ist weiterhin vielerorts ungelöst, so dass unterhalb Kraftwerk-Staumauern Bäche und Flüsse oft zu leblosen Rinnsalen verkümmern. Für die Umwelt wirkt sich dies verheerend aus. Zwar besteht eine Sanierungspflicht, doch Kantone und Betreiber setzen die geltenden Gesetze nur schleppend um: rund zwei Drittel der entsprechenden Wasserfassungen sind noch immer nicht saniert. Da die zu geringen Wassermengen langfristig auch den Kanusport gefährden, haben nun Kanuten und Umweltschützer gemeinsam Alarm geschlagen, wie WWF Schweiz mitteilt.

Vergangenen Samstag sassen während einer gemeinsamen „Aktion Wasserzeichen“ rund 60 Kanufahrer buchstäblich auf dem Trockenen. Denn im Bachbett der Simme fliesst nur noch ein kleines Rinnsal, kilometerweit gibt es hier kaum noch Wasser. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen, denn in der Schweiz müssen hunderte von Restwasserstrecken saniert werden. Dies verlangt die Verfassung seit 1975 und ein Gesetz seit 1992. Ende 2012 läuft die Frist ab, doch die Sanierungen werden nur schleppend umgesetzt. Schweizweit sind bei den Kraftwerken zwei Drittel der betroffenen Wasserfassungen noch immer nicht saniert.

Viele Betreiber von Kraftwerken sind sich zwar bewusst, dass sie zu einer Restwasser-Sanierung verpflichtet sind, doch ist das Ausmass der Restwassermenge und die nötigen Baumassnahmen oftmals immer noch nicht geklärt. Längst ist nicht nur der Kanton Bern in Verzug; Schon heute räumen 13 Kantone ein, dass auch sie die verlängerte Sanierungsfrist nicht einhalten werden. Darunter insbesondere grosse Wasserkraft-Kantone wie Glarus, Graubünden und das Wallis.

Faktisch bedeutet dies, dass aufgrund des schleppenden Vollzugs des Gesetzes viele Bäche und Flüsse im Sommer weiterhin ohne oder nur mit ganz wenig Wasser auskommen müssen – ein verheerender Umstand für die Umwelt. So können beispielsweise seltene Fischarten wie die Seeforelle bei zu niedrigem Wasserstand gar nicht mehr laichen. Ausgetrocknete Fluss- und Bachbett ärgern aber auch die Kanuten. Fehlendes Restwasser aber auch neu geplante Kraftwerkstrecken würden langfristig den Kanusport in der Schweiz verunmöglichen.

Weitere Informationen

WWF Schweiz
Schweizerischer Kanu-Verband SKV

Bild: © Thomas Studhalter / WWF Schweiz

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