Wasserhahn

Trinkwasser verunreinigt!

  • Corinna von Kürthy
  • -

Unser Trinkwasser ist laut einer aktuellen Sendung von „Kassensturz“ alles andere als sauber. In 42 Gemeinden der Schweiz wurden Trinkwasserproben genommen und auf 70 Stoffe untersucht. Nur in 8 von 42 Gemeinden konnten Labortechniker keine Rückstände von Chemikalien in den Wasserproben finden. Ein beunruhigendes Ergebnis! In den Proben der restlichen 34 Gemeinden konnten verschiedene Stoffe aus Schmerzmitteln, Anti-Epileptika, Diabetes-Medikamenten, Antibiotika, der Antibabypille, oder sogar aus Rostschutzmitteln und Pestiziden gefunden werden. Am häufigsten wurde das schwer abbaubare Pestizid Atrazin gefunden, welches bis Ende 2011 in der Schweiz gegen Unkraut eingesetzt wurde, inzwischen aber verboten ist. Der Humantoxikologe Lothar Eicher ist der Meinung, dass die Belastung des Trinkwassers in den Gemeinden nicht als gesundheitsgefährdend einzuschätzen sei. Der Umstand, dass im Trinkwasser aber ein „Stoff-Cocktail“ winziger Dosen vorkomme, dessen Auswirkungen auf den Menschen noch schwer abschätzbar sind, bereitet Ihm dennoch grosse Sorge (Kassensturz vom 20.11.2012).

Auch wenn sich die Risikoabwägung aufgrund der immensen Menge von verschiedenen Stoffen als sehr schwierig gestaltet und die Auswirkungen auf den Menschen noch unklar sind, konnte laut der Lausanner Ökotoxikologin Natalie Chèvre schon nachgewiesen werden, dass die verschiedenen Chemikalien schwerwiegende Folgen für Wasserlebewesen haben können. Süsswasserkrebse, welche beispielsweise in Wasser gehalten wurden, das mit dem Brustkrebsmittel Tamoxifen versetzt wurde, zeigten deutliche Veränderung in ihrer Fortpflanzung und erzeugten Nachkommen mit diversen Abnormalitäten.

Das Bundesamt für Umwelt hat das Problem der Mikroverunreinigungen in unserem Trinkwasser ebenfalls erkannt. Es testet gegenwärtig verschiedene Methoden, wie beispielsweise den Einsatz von Aktivkohlefiltern oder Ozonierungsanlagen, welche die Rückstände der Verunreinigungen bei der Abwasserreinigung eliminieren sollen. Der Bund möchte in Zukunft rund 100 Kläranlagen in der Schweiz umrüsten und in diesen Anlagen das Pulveraktivkohle-Verfahren etablieren. Die Umrüstung der Kläranlagen ist ein notwendiger, aber auch teuerer Schritt, der den Bund rund 1, 2 Millarden Franken kosten wird.

Weitere Informationen

Kassensturz

Bild: Thegreenj [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Beitrag kommentieren