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Traditionelle Waldnutzung schafft Lebensraum

  • Dominique Haiden
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pm_110527_30_26Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Wald ein Ort, wo das Vieh Futter und der Mensch neben Holz auch Nahrung, Wirk- und Werkstoffe fand. Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und des Historischen Instituts der Universität Bern haben nun das Erfahrungswissen von 60 Zeitzeugen dokumentiert. Die eindrücklichen Ergebnisse wurden am 27. Mai 2011 im Freilichtmuseum Ballenberg in Buchform und als Kurz-Dokumentarfilme erstmals öffentlich vorgestellt.

Die Produkte aus einheimischen Wäldern und ihre Verwendungsmöglichkeiten für die Bauern waren zahlreich. Das Sammeln und Weiden wirkte sich auf die Wälder aus. Den Waldökosystemen wurden Nährstoffe entzogen, teilweise ging der Holzzuwachs zurück und die Waldverjüngung litt unter dem Verbiss des Viehs. Die Aufgabe einiger traditioneller Waldnutzungen wurde daher vom Forstdienst begrüsst. Durch diese Nutzungsformen waren aber auch Lebensräume für anspruchsvolle Tier- und Pflanzenarten in lichten Wäldern und auf mageren, beweideten Böden entstanden, die mit der Aufgabe dieser Nutzungen ebenfalls verschwanden. Daher interessiert sich seit einigen Jahren auch der Naturschutz für die Auswirkungen der traditionellen Waldnutzungen auf den Wald und ihre Bedeutung für den Erhalt seltener Arten.

Die heutigen Wälder der Schweiz sind das Ergebnis jahrzehnte- bis jahrhundertelanger Bewirtschaftung. Ein Teil der Waldwirtschaft war geprägt durch lokale Bedürfnisse nach Nahrung und Futter, Kleidung und Waschen, Heizen und Wohnen. Der heutige Waldzustand lässt sich darum nur verstehen, wenn man weiss, wie der Wald früher genutzt wurde. Dieses Wissen ist tatsächlich noch vorhanden, wie Matthias Bürgi von der WSL und Martin Stuber von der Universität Bern feststellten. Zusammen mit ihrem Team befragten sie in den vergangenen Jahren 60 Zeitzeugen.

Die Ergebnisse dieses Projektes fliessen in weiterführende Studien ein, in denen die WSL mit Partnern die Auswirkungen früherer Nutzungsformen auf den Kohlenstoffspeicher des Bodens und auf den Nährstoffkreislauf im Wald untersucht. Teil des Projektes sind auch sechs Kurzdokumentarfilme über die wichtigsten Nutzungsformen. Die Filme erscheinen zusammen mit einem Buch, das die wichtigsten Erkenntnisse des Projektes reich bebildert darlegt, in der Bristol-Schriftenreihe, die vom Haupt-Verlag herausgegeben wird. Anlässlich einer Vernissage wurden das Buch „Hüeterbueb und Heitisträhl“ sowie die gleichnamigen Kurzfilme der Dokumentarfilmerin Rahel Grunder am 27. Mai 2011 im Freilichtmuseum Ballenberg erstmals öffentlich vorgestellt. Die Filme werden in Zukunft als Teil der ständigen Ausstellung des Forstmuseums im Freilichtmuseum Ballenberg zu sehen sein.

Weitere Informationen

Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Historisches Institut Universität Bern

Bild: Brockmann-Jerosch 1929, Schweizer Volksleben

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