Kleine Bäche sind bei uns vorherrschend. Sie leiden aber unter der starken Pestizidbelastung. | © Jon Rawlinson [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Kleine Bäche sind bei uns vorherrschend. Sie leiden aber unter der starken Pestizidbelastung. | © Jon Rawlinson [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Tödlicher Pestizidcocktail in Schweizer Bächen

  • Mélanie Guillebeau
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Eine Untersuchung der Pestizidbelastung in Schweizer Bächen kommt zu einem alarmierenden Resultat: In keinem Gewässer wurden die gesetzlichen Anforderungen an die Qualität erfüllt.

In kleinen Flussläufen fehlen Messstationen, welche über einen längeren Zeitraum Daten zur Qualität und physikalischen Bedingungen des Gewässers aufnehmen. Bäche machen aber drei Viertel des Schweizer Gewässernetzes aus und sind somit ein wichtiger Lebensraum für aquatische Tier- und Pflanzenarten. Die EAWAG, das Wasserforschungsinstitut der ETH, hat nun im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt erstmals über einen längeren Zeitraum die Pestizidbelastung in fünf kleinen Schweizer Bächen in Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung untersucht.

Pestizidcocktail macht Organismen zu schaffen

Wie BirdLife Schweiz berichtet, enthielten die Proben einen wahren Cocktail aus Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden: 128 verschiedene Wirkstoffe aus Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau haben die Forschenden in 1800 Wasserproben verteilt über 6 Monate nachgewiesen, im Schnitt 20 bis 40 Substanzen pro Probe. In allen Gewässern wurden die Qualitätskriterien zur chronischen Ökotoxizität „teilweise um ein Vielfaches überschritten“.

Dieser chronische Pestzidcocktail mit Konzentrationen einzelner Substanzen, die bis zum 400-Fachen über dem gesetzlichen Grenzwert liegen, hat verheerende Auswirkungen auf die Gewässerorganismen.

„Der laufend ändernde Mix vieler Stoffe in problematischen Konzentrationen und die lang anhaltend hohen Risiken lassen den Organismen in vielen Fällen keine Erholungszeit“, erklärt Marion Junghans vom Oekotoxzentrum der EAWAG.

Bachflohkrebse sind wichtiger Teil der Nahrungskette in Gewässern. Die Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie in pestizidverseuchten Bächen vermehrt sterben. | © Per Harald Olsen/NTNU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Bachflohkrebse sind wichtiger Teil der aquatischen Nahrungskette. Die Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie in pestizidverseuchten Bächen vermehrt sterben. | © Per Harald Olsen/NTNU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Aktionsplan Pestizide soll für Besserung sorgen

Der Nationale Aktionsplan Pestizide ist derzeit beim Bundesamt für Landwirtschaft in Erarbeitung. Mit dessen Umsetzung soll das Risiko von Pestiziden halbiert werden, indem in erster Linie die unerwünschten Auswirkungen besser beleuchtet werden und unter anderem die Verwendung reduziert wird.

„So wie bisher darf es keinesfalls weitergehen – denn die Pestizide im Wasser betreffen nicht nur die Wasserorganismen, sondern über die Nahrungskette auch die anderen Tiere und den Menschen“, sagt Pascal König, Landwirtschaftsexperte bei BirdLife Schweiz.

 

2 Kommentare

  • Michael Brandenberger

    „Aus den Augen aus dem Sinn“ gilt nicht nur in China sondern eben auch hier in der Lobbygesteuerten Schweiz. Was man nicht sieht, gibt es nicht ist das Motto – und alle wissens seit Jahren.
    Nun muss so ein Aktionsplan natürlich erst erarbeitet werden und nachher wird es Übergangsfristen à gogo geben um den armen Giftlern ihr Handwerk nicht gleich sofort legen zu müssen. Und die Lager müssen ja noch aufgebraucht werden, sonst könnte ja noch Jemand finanziellen Schaden nehmen !
    Wir werden also noch Jahre mit diesen Zuständen leben nur weil unsere Politiker dafür bezahlt werden, keine sofortigen Verbote auszusprechen.

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    • Rolf Büttiker

      So wie du es bechreibst, lieber Michael, ist es tatsächlich. Die meisten Menschen auf diesem Planeten haben leider nicht das Bewusstsein zu erkennen, dass alles, was wir der Natur (Mutter Erde) antun auf uns zurück fällt. Alles existente Leben ist miteinander verbunden. Dieses Resultat der Untersuchungen über unsere Gewässer erstaunt mich nicht, es ist dies nur ein kleiner Aspekt der Gräueltaten, die wir unserer Erde und somit auch uns selbst antun. So sind sich die meisten Menschen auch nicht bewusst, was sie essen und trinken. Sie funktionieren wie ferngesteuerte Roboter, die dabei bewusst von den Mächtigen dieser Welt dumm und krank gehalten werden, damit diese ja schön diese Gesellschaftsform der Ausbeutung zu Gunsten einiger Weniger hochhalten. Würde die Gesellschaft dies erkennen können, könnte sich sehr schnell etwas ändern. Denn: es gelangen ja nur Pestizide in unsere Lebenskreisläufe, weil die „schlafende“ Menscheit diese vergiftenden Lebensmittel und dieses Plasik-Wasser kaufen und konsumieren. Wer also mit macht, ist mit schuldig an Missständen.
      Fazit: wer etwas verändern möchte (das sind die Menschen, die schon erwacht sind oder gerade erwachen und erkennen, was auf diesem Planeten schief läuft) muss bei sich selbst anfagen! Immer! Besusst nicht mehr kaufen, was uns schadet, bewusst keine Politiker wählen, die man uns vor die Nase hält, bewusst sich aus dem Wahnsinn dieser Hochleistungs-Gesellschaftsform des Profites und der Ausbeutung heraushalten und herausnehmen, wo es möglich ist. Dann sich zusammenschliessen zu einem Netzwerk, dass sich gegenseitig unterstützt und auf Missstände aufmerksam macht.
      Wann endlich begreift der Mensch, dass er Selbstverantwortung übernehmen muss, anstatt alle Macht den Mächtigen des Wirschafts- und Finazsystems und deren Handlangern, den Politikern, zu überlassen? Zugegeben, das könnte einige Unannehmlichkeiten zur Folge haben und unsere Komfortzone, in der wir leben, arg durcheinander rütteln. Der Crux ist, das wollen die Wenigsten hier in der Schweiz.


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