Tierschutz und Landwirtschaft

  • Corinna von Kürthy
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In einer neuen, umfassenden Publikation zeichnet der Schweizer Tierschutz STS historische Entwicklungen in der landwirtschaft- lichen Nutztierhaltung nach und zeigt Zusammenhänge auf zwischen dem Einkaufsverhalten jedes Einzelnen und dem Wohl der Tiere auf den Höfen der Landwirte.

Früher, da brachten Bauern ihre Tiere noch selber auf den Markt und auf dem Hof krähte der Hahn auf dem Miststock. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz, trotz wirtschaftlich schwierigem Umfeld, eine Zeit, da gehörte das Tierwohl ganz selbstverständlich zur landwirtschaftlichen Tierhaltung.

Produktionsfaktor Tier
In den Jahrzehnten zwischen 1960 und 1980 brach dann ein Grossteil der Schweizer Bauernschaft mit der ehemals verbreiteten Weide-, Freiland- und Auslaufhaltung. Das Tier wurde zum reinen Produktionsfaktor.

In „Tierschutz und Landwirtschaft“ zeigt der Autor Hansuli Huber wie Tierschützer sich gemeinsam mit verantwortungs- bewussten Bauern und Konsumenten wehrten für einen umfassenden Schutz der Nutztiere. Heute herrscht ein breiter Konsens darüber, dass landwirtschaftliche Nutztiere, wenn sie schon für unsere Zwecke gezüchtet, gehalten und geschlachtet werden, wenigstens Anrecht auf eine möglichst schonende Behandlung und eine artgemässe Haltung haben.

Handlungsbedarf besteht
Mehr als die Hälfte der Schweizer Nutztiere haben regelmässig Auslauf ins Freie. Rund 40 % der Schweizer Nutztiere leben in tierfreundlichen Ställen. Umgekehrt heisst dies: Annähernd die Hälfte der Schweizer Nutztiere haben keinen regelmässigen Auslauf ins Freie. Rund 60 % der Schweizer Nutztiere leben in beengten Stallungen. Karge Buchten zur Mast von Munis und Schweinen, ohne Stroh zum Liegen und ohne Auslauf ins Freie, sind legal. Milchkühe werden zu immer höheren Leistungen getrieben und Sauen gebären mehr Ferkel, als sie Zitzen haben. Handlungsbedarf für mehr Tierwohl in der Schweiz besteht weiterhin, wie die Broschüre detailliert aufzeigt und begründet. Gleichzeitig will die Politik die Grenzen öffnen für immer mehr Nahrungsmittel aus bei uns verbotenen Produktionsbedingungen und Massentierhaltungen. Sie setzt damit die Bestrebungen für mehr Tierwohl im Inland unter massiven Druck. Weitere Informationen und den spannenden Bericht vom Schweizer Tierschutz STS gibt es hier!

Bild: Guido Gerding [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Schweizer Tierschutz STS

1 Kommentar

  • Antonietta

    Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen. Dies kann ohne Übertreibung als die effektivste Form von Nahrungsmittelvernichtung bezeichnet werden. In den USA fressen die rund 8 Milliarden Schlachttiere 80% der Getreideernte. Bei den Sojabohnen dienen weltweit sogar 90% als Futtermittel. Rund ein Drittel des weltweit produzierten Getreides wird an Tiere verfüttert, um deren Fleisch zu essen. Würden z.B. die Amerikaner nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde Menschen vor dem Hungertod bewahren. Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung!!

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