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Tierhaltung in Schweizer Zirkussen

  • Dominique Haiden
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800px-Loewendressur_im_ZirkusZum vierten Mal seit 2008 veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS einen Bericht über die Tierhaltung derjenigen Schweizer Zirkusse, die Tiere mitführen und im Programm auftreten lassen. 2011 besuchte ein Team aus Zoologen und Veterinären des STS die sechs Schweizer Zirkusse: Knie, Nock, Gasser-Olympia, Royal, Harlekin und Stey. Bewertet wird einerseits die Tierhaltung während der Tournee, andererseits der Umgang mit den Tieren in der Vorführung. Einige Unternehmen haben bereits einen hohen Standard der Tierhaltung erreicht oder verbessern sich kontinuierlich, andere verstossen aber immer noch gegen die Haltevorschriften der Tierschutzverordnung oder setzen ihre tierischen Artisten unzumutbarem Stress in der Manege aus.

Einmal mehr ist der Zirkus Knie eine Klasse für sich. Die Tierhaltung auf der Tournee entspricht einer modernen Zootierhaltung mit meist mehr als nur tierschutzkonformer Gehegegrösse und -struktur, Gruppenzusammensetzung und Beschäftigung. Die Tiere stammen allesamt aus dem betriebseigenen Zoo Rapperswil, sind gesund und können sich bei Bedarf in ihren Gehegen vor neugierigen Zuschauern zurückziehen. Pferde werden grundsätzlich auf die Weide gelassen. Wildtier-Gehege sind mit Informationstafeln zu Art und Lebensweise ausgestattet. Die Präsentation der Tiere während der Vorführungen geschieht auf eine rücksichtsvolle, stressarme Art und Weise. Auf das Engagement ausländischer Tiernummern wurde 2011 verzichtet.

Bei anderen Zirkussen besteht hingegen noch deutlicher Besserungsbedarf. So macht zum Beispiel der Zirkus Royal noch immer zu oft von der Ausnahmebewilligung gemäss Tierschutzverordnung Gebrauch, wonach Zirkusse deren Minimalstandards nicht an jedem Gastspielort erfüllen müssen. Die Nandus des Zirkus Royal wurden bei den mehrmaligen Besuchen der STS-Expertinnen in sehr kleinen Gehegen und teils ohne Einstreu auf nacktem Asphalt gehalten. Der Zirkus Stey hält Zwergziegen auf knapp 10 m² ohne Schatten, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei mehreren Zirkussen fehlten artgemässe Beschäftigungsmöglichkeiten. Ausgesprochene Gruppen- und Lauftiere wie Pferde werden teilweise noch immer einzeln gehalten oder haben keinen oder nur selten Weidegang. Bei Stey wurden die Zwergziegen und ein Pony physisch dazu gezwungen, Übungen in der Manege zu absolvieren, denen sie nicht gewachsen sind, obschon sie eindeutiges Angst- und Abwehrverhalten zeigten. Grosse Fragezeichen müssen hinter Herkunft und Ausbildung mancher Tiere gesetzt werden. Fraglich ist auch das Engagement ausländischer Tiernummern, da diese Tiere oft nicht gemäss schweizerischen Tierschutzstandards gehalten und ausgebildet werden.

Weitere Informationen (Schweizer Tierschutz STS)

Bild: Usien (Wikimedia Commons)

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