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Tier des Jahres: Das Braune Langohr

  • Stefanie Pfefferli
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Wie Pro Natura in der aktuellen Medienmitteilung schreibt, hat die Organisation das Braune Langohr (Plecotus auritus) zum Tier des Jahres 2012 gewählt. Der Flugakrobat ist in der Schweiz gefährdet, wie fast alle der rund 30 einheimischen Fledermaus-Arten. Vor allem aufgeräumte Wälder und „herausgeputzte“ Landschaften machen den Fledermäusen zu schaffen. Pro Natura macht mit ihrer Wahl des „fliegenden Hasen“ zum Tier des Jahres 2012 auf den schlechten Zustand der Biodiversität in der Schweiz aufmerksam.

„Batman“ ist zurück: Ein stiller Held der Nacht, der Gutes tut und sich tagsüber unscheinbar macht. Das Tier des Jahres 2012 übernimmt mit seiner nächtlichen Jagd nach Insekten, vor allem Nachtfaltern, wichtige ökologische Funktionen. Das Braune Langohr ist eine von rund 30 einheimischen Fledermaus-Arten, die fast alle gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Vom Fledermaus-Vorkommen kann der Zustand der Biodiversität abgeleitet werden: Der Vielfalt von Ökosystemen, der Tier- und Pflanzenarten und ihrer genetischen Breite geht es in der Schweiz schlecht. Pro Natura wirbt mit der Wahl des Braunen Langohrs für vielfältigere und vernetztere Landschaften und naturnahe Wälder; wichtige Bestandteile unserer Lebensgrundlagen.

Saubere Landschaften gefährden das Braune Langohr

Um zu überleben sind die fliegenden Säugetiere auf abwechslungsreiche und miteinander vernetzte Landschaften angewiesen. Strukturen wie Hecken oder Baumalleen funktionieren als Wegweiser auf den immer gleichen Flugbahnen zwischen Tagesquartier und Jagdgebiet im Wald. Den Weg findet das Braune Langohr wie alle Fledermäuse mit seiner ausgeklügelten Ultraschall-Echoortung. Seine Rufe prallen auf diese so genannten Leitstrukturen. Das zurückgeworfene Echo wird von den riesigen Ohren aufgefangen und weist ihm den Weg. Es entsteht ein präzises „Hörbild“. „In unseren stark herausgeputzten und auf Effizienz getrimmten Landschaften verhallen die Rufe des Braunen Langohrs immer mehr im Nichts. Eine Landschaft ohne Bäume, Sträucher oder Hecken ist für das Braune Langohr, was für einen Menschen eine Wüste ist: leer und bedrohlich. Es fehlen die Orientierungspunkte“, sagt Urs Tester, Artenschutzexperte bei Pro Natura.

Natürlichere Wälder!

Das Braune Langohr lebt und jagt vorwiegend in Laub- und Mischwäldern. Es gilt als Waldfledermaus, die in alten Bäumen, oft aber auch in Dachstöcken von Häusern ihr Tagesquartier aufschlägt. Baumhöhlen können verlassene Spechtlöcher, Ritzen in der Rinde oder Spalten in den Stämmen sein. „In der Schweiz werden die Wälder intensiv genutzt. Das bedeutet, Bäume werden in der Regel schneller geschlagen, als sie ihre Alterserscheinungen wie Baumhöhlen entwickeln. So fehlen dem Braunen Langohr wichtige Wohnungen. Fledermaus-Lebensraum geht verloren“, mahnt Urs Tester. Der ideale Fledermauswald hat sowohl geschlossene als auch lichtere Waldabschnitte, Laub- und Mischwaldbestände, junge und alte Bäume. Durchmischte Wälder mit alten und abgestorbenen Bäumen bieten Fledermäusen auch mehr Nahrung. Sie sind reicher an Insekten.

Pro Natura hilft den „flatternden Mäusen“

Pro Natura setzt sich dafür ein, dass mehr Waldreservate mit Vorrang für die Natur geschaffen werden und dass in genutzten Wäldern Alt- und stehende Totholzinseln erhalten bleiben, in denen das Tier des Jahres und andere Tier- und Pflanzenarten idealen Lebensraum finden. Sie tut dies auch mit eigenen Projekten beispielsweise im Kanton Solothurn. Im Kanton Schaffhausen werden die Flugbahnen des Braunen Langohrs untersucht, damit die wichtigsten „Flugwegweiser“ erhalten und gefördert werden können. Auch auf der politischen Bühne setzt sich Pro Natura für das Braune Langohr ein: Waldpolitik, Landwirtschaft und die Strategie Biodiversität Schweiz. Alles Bereiche, in denen sich die Politik im Jahr 2012 für den Schutz der Fledermäuse und anderer Arten einsetzen kann.

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Bild: Dietmar Nill

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