Die Übergabe des Teufelsstein 2018 an die SBB auf dem Europaplatz Zürich.
V.l.: Jon Pult, Präsident der Alpeninitiative, Andreas Steiger, Projektleiter Europaallee SBB Immobilien. Christian Ginsig, SBB-Pressesprecher. © Alpen-Initiative
Die Übergabe des Teufelsstein 2018 an die SBB auf dem Europaplatz Zürich. V.l.: Jon Pult, Präsident der Alpeninitiative, Andreas Steiger, Projektleiter Europaallee SBB Immobilien. Christian Ginsig, SBB-Pressesprecher. © Alpen-Initiative

«Teufelsstein» für die SBB und «Bergkristall» für Hahnenburger-Projekt

  • Redaktion Naturschutz
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Der Schmähpreis «Teufelsstein» für den absurdesten Transport geht an die SBB und ihre Fassade aus China in der Europaallee. Die Steine, die die SBB für ihre Prestige-Immobilie verwendete, wurden über mehr als 43’000 Kilometer transportiert. Den «Bergkristall» erhält die Luzerner Organisation «Wasser für Wasser», die in Restaurants und Firmen den Konsum von Hahnenwasser fördert und damit unnötige Transporte vermeiden hilft.

Insgesamt 8611 Personen haben an der Abstimmung zu den Transport-Auszeichnungen der Alpen-Initiative teilgenommen und entschieden: Die SBB erhält den «Teufelsstein», das Luzerner Projekt «Wasser für Wasser» den Bergkristall. Dies berichtet die Alpen-Initiative in einer Mitteilung.

Weitgereiste Steine

In der Fassade eines Gebäudekomplexes in der Zürcher Europaallee stecken viele Transportkilometer: Die Fassade wurde mit Natursteinen aus Deutschland gebaut, die in China montiert und von dort nach Basel zurück verschifft und mit dem Lastwagen nach Zürich transportiert wurden. Gesamte Transportstrecke: 43’120 Kilometer. Der Transport verursacht 20 Mal mehr CO2 als bei einer vor Ort produzierten Fassade. Die Alpen-Initiative kritisiert, dass ein solches Vorgehen in Übereinstimmung mit dem Beschaffungsgesetz steht. «Ein Unternehmen erhält eher einen Auftrag, wenn es Steine ans andere Ende der Welt und zurück transportiert als wenn es mit Lieferanten und Materialien aus der Region arbeitet. Das zeigt die Absurdität unseres aktuellen Systems auf», sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative.

Karaffen-Wasser erhält den Kristall

Das Luzerner Projekt «Wasser für Wasser» nimmt bei der gestrigen Preisverleihung den «Bergkristall» entgegen. © Alpen-Initiative
Das Luzerner Projekt «Wasser für Wasser» nimmt bei der gestrigen Preisverleihung den «Bergkristall» entgegen. © Alpen-Initiative

Für den «Bergkristall» wählte das Publikum die Luzerner Organisation «Wasser für Wasser». Sie setzt sich dafür ein, dass in Restaurants und Firmen Leitungs- statt Flaschenwasser getrunken wird. «Mit der Wahl von Karaffen von ‘Wasser für Wasser’ können sich Restaurants und Unternehmen für das Klima einsetzen, indem sie auf weite Transportwege verzichten und weniger Abfälle produzieren», sagt Michael Töngi, Nationalrat und Mitglied des Alpenrats der Alpen-Initiative.

Ziel: Klimawandel stoppen

«Mit diesen beiden Preisen möchten wir Unternehmen ermutigen, nach Lösungen zu suchen, um weniger Transporte zu verursachen», sagt Django Betschart, Leiter Alpenschutzpolitik der Alpen-Initiative. «Denn es muss unser aller Ziel sein, den CO2-Ausstoss zu reduzieren und den Klimawandel zu stoppen. Dazu gehört das Verlagern der Güter von der Strasse auf die Schiene, aber auch das Vermeiden von Transporten.»

Die Zweit- und Drittplatzierten

Neben den SBB waren zwei weitere Kandidaten für den «Teufelsstein» nominiert: Proviande für die Schweinedärme, die nach China transportiert und dort zu Wursthüllen für Schweizer Bratwürste verarbeitet werden. Und die Landi, die in ihren Läden insbesondere Brennholz aus Europa verkauft. Für den «Bergkristall» waren auch der Cargobike-Hauslieferdienst Collectors und Remei nominiert, die bei ihren bioRe-T-Shirts auf transparente Transportwege setzen.

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