Tessiner Schnellstrasse gefährdet Kulturlandschaft

  • Redaktion Naturschutz
  • -

Die geplante Schnellstrasse durch die Magadinoebene würde eine der letzten ebenen Kulturlandschaften des Tessins durchschneiden. Am 30. September entscheidet die Tessiner Bevölkerung, ob die Variante mitten durch die Ebene definitiv geplant wird oder nicht. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife zeigt, dass die Strasse zusätzlich zu vielfältigem Landwirtschaftsland auch Lebensräume zerstören würde. Das ist nicht nötig, denn es gibt eine umweltfreundlichere Alternative.

Die beiden zur Diskussion stehenden Strassen heissen „Variante 95“ und „Panoramica“. Während die Variante aus dem Jahr 1995 mitten durch das Kulturland der Magadinoebene zwischen Bellinzona und dem Lago Maggiore vorgesehen ist, führt die „Panoramica“ von der bestehenden Autobahn am Monte Ceneri durch den Hang oberhalb Cadenazzo direkt nach Locarno. Die Tessiner Regierung will einen Planungskredit für die landfressende Variante in der Ebene erhalten, das Referendumskomitee aus Bauern und Naturschutzorganisationen favorisiert die kürzere Variante am Hang. Damit der Weg für diese auch kostengünstigere Variante frei wird, brauchen die Vertreter der Rettung der Magadinoebene zuerst ein Nein zum Planungskredit für die Strasse in der Ebene.

Eine Analyse des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz zeigt, dass durch die Variante in der Ebene nicht allein viel Kulturland, sondern auch einmalige Lebensräume verloren gingen. Der Uhu hat Brutplätze am Rand der Magadinoebene. Jede Nacht durchstreift die bussardgrosse Eule die Ebene nach Beutetieren wie Kleinsäugern. Die Strasse in der Ebene würde seinen Nahrungsraum zerschneiden. Zudem erhöht die Schnellstrasse das Risiko von Kollisionen zwischen dem grossen Nachtvogel und den schnell fahrenden Autos. Für drei weitere Vogelarten der Roten Liste ist die Magadinoebene der wichtigste oder gar einzige Brutplatz im Tessin: Wiedehopf, Steinkauz und Zwergohreule brauchen vielfältiges Kulturland. Sie alle sind bedroht.

Zur Rettung der bedrohten Kulturlandschaft, für die sogar der Plan eines Parco del Piano in Vorbereitung ist, haben sich Landwirte und Naturschutz zusammengetan. Die Promotoren der Schnellstrasse durch die Ebene planen nicht nur eine rasante Verbindung zwischen Bellinzona und Locarno. Ihnen schwebt eine einzige Agglomeration von der Kantonshauptstadt bis zum einmaligen Naturschutzgebiet Bolle di Magadino vor. Damit würde das letzte grossflächige ebene Kulturland des Tessins auch noch unter Beton verschwinden, wie dies bereits in der Umgebung von Lugano und im Südtessin geschehen ist: ein Brei von Bauten und Verkehrsanlagen ohne Ende.

Dabei gibt es mit der sogenannten Panoramica eine umweltfreundliche Alternative zum Projekt in der Ebene. Diese Strasse am Hang ist mit veranschlagten 245 Millionen nicht nur deutlich billiger als die „Variante 95“ der Regierung mit ihren 380 Millionen. Auch verkehrstechnisch ist sie günstiger: die wichtige Verbindung zwischen Locarno und Lugano wird um 6,5 Kilometer kürzer. Erst ein Nein zum verlangten Planungskredit ermöglicht die Realisierung der sinnvollen Strasse am Hang und eine rasche Sanierung des regelmässigen Verkehrschaos auf der heutigen Kantonsstrasse. (sb)

Links zum Beitrag
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

Beitrag kommentieren