Haubentaucher sollen neu gesetzlich geschützt werden. | © Jac. Janssen, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Haubentaucher sollen neu gesetzlich geschützt werden. | © Jac. Janssen, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Teilrevision Jagdgesetz befriedigt nur teilweise

  • Amanda Buol
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Die Vernehmlassung zur Änderung des Jagdgesetzes ist am 24. August 2016 vom Bundesrat eröffnet worden. Bestände konfliktträchtiger geschützter Arten sollen künftig reguliert werden können, wenn trotz Präventionsmassnahmen grosse Schäden oder die konkrete Gefährdung von Menschen drohen. BirdLife Schweiz sieht Verbesserungspotential.

Die 2015 vom Parlament angenommene Motion Engler (14.3151) „Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung“ verlangt eine Revision des Jagdgesetzes, damit zukünftig Wolfsbestände innerhalb des Rahmens der Berner Konvention reguliert werden können. In Umsetzung dieser Motion sollen künftig regulierende Eingriffe in Bestände nicht nur des Wolfes, sondern auch anderer konfliktträchtiger geschützter Arten möglich werden, wenn trotz zumutbarer Präventionsmassnahmen das Entstehen eines grossen Schadens oder die konkrete Gefährdung von Menschen drohen, heisst es in der Mitteilung des Bundesrates.

BirdLife Schweiz findet diesen Punkt in der Revision problematisch. Während bisher für Eingriffe in die Bestände geschützter Arten eine Zustimmung des Bundes notwendig waren, soll dieser von den Kantonen nur noch angehört werden müssen. Damit werde der nun seit einem Vierteljahrhundert geltende Kompromiss, dass die Jagd durch die Kantone und der Schutz der Arten durch den Bund geregelt werden, in Frage gestellt. Dies führe zu einem uneinheitlichen Vorgehen und erhöhe den Druck auf die geschützten Arten in unnötiger Weise.

Zusätzlich werden Bestimmungen über jagdbare Arten und Schonzeiten, welche 2012 in der Jagdverordnung geändert wurden, ins Gesetz überführt und ergänzt. Neu sollen im Gesetz die Moorente, das Rebhuhn und der Haubentaucher geschützt werden, was BirdLife Schweiz sehr begrüsst. Das dürfe aber nicht darüber hinweg täuschen, dass damit jene Arten, die effektiv den Schutz nötig hätten, wie Birkhahn, Schneehuhn und Waldschnepfe, immer noch jagdbar sein werden, bemängelt die Organisation.

Ferner soll mit dem teilweise revidierten Jagdgesetz die Saatkrähe als jagdbar erklärt, die Schonzeiten des Wildschweins und des Kormorans verkürzt und allen einheimischen Arten eine Schonzeit gewährt werden. Auch der Umgang mit nicht einheimischen Arten soll neu geregelt werden. So sollen beispielsweise Damhirsch, Sika und Mufflon, denen bislang eine Schonzeit eingeräumt wurde, gestützt auf die vom Bundesrat am 18. Mai 2016 verabschiedete Strategie zur Bekämpfung invasiver Arten, künftig ganzjährig jagdbar sein.

Grundsätzlich bringt die Revision aus der Sicht von BirdLife Schweiz gegenüber den punktuellen Verbesserungen zu viele Verschlechterungen für den Naturschutz. Deshalb werde die Organisation in ihrer Antwort den Bundesrat auffordern, am Entwurf deutliche Verbesserungen vorzunehmen, damit ein ausgewogener Vorschlag an das Parlament entsteht.

Der Bundesrat hat am 24. August 2016 die Vernehmlassung zum revidierten Jagdgesetz eröffnet. Sie dauert bis am 30. November 2016.

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