Roi du Doubs, Apron

Taten statt Worte für den König des Doubs

  • Nora Kieselbach
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In einer gemeinsamen Medienmitteilung werfen Pro Natura, der Schweizerische Fischerei-Verband und der WWF Schweiz der Schweiz und Frankreich vor, tatenlos dem Aussterben des Apron im Doubs, auch Roi du Doubs genannt, zuzuschauen. Die Klage, die die Umweltverbände am 21. Juni 2011 beim Europarat auf Verletzung der Berner Konvention eingereicht haben, wurde angenommen. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen der Berner Konvention eine Verletzung des Artschutzabkommens durch die Schweiz und Frankreich als möglich erachten. Das Dossier wird nun dem Europarat zur weiteren Bearbeitung übergeben. Dieser wird im Herbst darüber befinden, ob die Schweiz ihre Verpflichtungen zur Erhaltung dieser hoch gefährdeten Art verletzt hat.

Die Klage der Verbände hatte zur Folge, dass die Schweizer Regierung einen vom Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen Jura und Neuenburg verfassten Bericht zum Doubs vorlegen musste. Dessen Inhalt ist symptomatisch für die passive Haltung der Behörden: Er zeigt keine konkreten Revitalisierungsmassnahmen für den Lebensraum des Aprons auf, sondern schlägt lediglich Untersuchungen vor, die bereits durchgeführt wurden.

Jetzt braucht es aber Taten statt viele Worte, denn die Probleme sind längst bekannt: massive Beeinträchtigungen des Lebensraumes durch die Wasserkraftnutzung, Verschmutzung der Sedimente, Beeinträchtigung der physikalisch-chemischen Wasserqualität und Einschränkung der ökologischen Durchgängigkeit des Flusses durch unüberwindbare Hindernisse. Die NGOs wehren sich seit Jahren erfolglos gegen die abwartende Haltung der Behörden. „Die starken Wasserstandsschwankungen, verursacht durch das Wasserkraftwerk Le Châtelot, müssen endlich aufhören“, fordert Thomas Ammann, Fischexperte des WWF Schweiz.

Und noch immer plant die Schweiz weitere Studien, statt die nötigen Schritte einzuleiten, um die Probleme endlich zu lösen: Sanierung der ungenügenden Kläranlagen, akkumulierte Sedimente hinter den Stauwehren, Unterbindung der täglichen künstlichen Pegelschwankungen des Flusses und konkrete Massnahmen zur Senkung des Schadstoffeintrags aus der Landwirtschaft. Ausserdem herrschen im Doubs schlechte Bedingungen für die Wanderung der Fische. Die Behörden wollen die Fischdurchgängigkeit aber erst beim Bau neuer Wasserkraftwerke verbessern. Lucienne Merguin Rossé, Spezialistin für den Doubs bei Pro Natura, sagt: „Dieser Entscheid ist zynisch, denn gerade die Wasserkraftwerke sind ja einer der Hauptgründe für das Sterben der Fische im Doubs.“

Die Organisationen rufen daher die Behörden erneut dazu auf, sofort mit den nötigen Sanierungen zur Rettung des Doubs-Ökosystems zu beginnen. Die Zeit drängt, denn unter den jetzigen Bedingungen wird der Apron bald aussterben! Dass beim Doubs jetzt rasch gehandelt werden muss, zeigen auch Fischsterben bei anderen Arten. So hat der Bund erst jüngst über eine Pilzerkrankung berichtet, der zu einer höheren Sterberate bei Äschen und Forellen führt. Diese Pilzerkrankung ist für die Fische ein zusätzlicher Bedrohungsfaktor in einem Lebensraum, der ohnehin unter starken Wasserstandschwankungen leidet.

Schweizerischer Fischerei-Verband
Pro Natura
WWF Schweiz

Bild: © Bild Aquarius

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