Die Amsel ist der Star der Gärten und Pärke: Sie wurde von 90% der Melderinnen und Melder beobachtet. © Werner Scheuber
Die Amsel ist der Star der Gärten und Pärke: Sie wurde von 90% der Melderinnen und Melder beobachtet. © Werner Scheuber

Stunde der Gartenvögel: Zahlen lassen aufhorchen

  • Selina Fehr
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An der «Stunde der Gartenvögel» von BirdLife Schweiz wurden dieses Jahr mehr als 35’000 Vögel aus 127 Arten gezählt. Aus rund 1160 Gärten in der ganzen Schweiz trafen Meldungen ein. Die Resultate zeigen, dass in naturnah gestalteten Gärten besonders viele Vögel gesichtet werden können. Allerdings werden aus den Gärten im Durchschnitt immer weniger Vögel gemeldet. Das lässt aufhorchen.

Der Siedlungsraum und insbesondere Gärten und Pärke bieten vielen Vögeln einen Lebensraum. Heute kommen im Siedlungsraum sogar meist mehr Vögel vor als im Landwirtschaftsland. Doch die Zahl der Vögel und die Artenvielfalt schwinden auch hier: Arten wie der Girlitz, der Gartenrotschwanz oder der Grauschnäpper nehmen ab – und einst sehr häufige Arten wie der Haussperling oder der Star werden immer seltener. Jede und jeder kann dazu beitragen, den Negativtrend zu stoppen.

Weniger Vögel pro Garten als früher

Der schleichende Rückgang scheint sich nun auch in den Zahlen der «Stunde der Gartenvögel» zu zeigen. Jeweils am ersten Wochenende im Mai ist die Bevölkerung aufgerufen, eine Stunde in den Garten zu sitzen und die Vögel zu zählen. 1159 Personen haben dieses Jahr mitgemacht und insgesamt 35’399 Vögel aus 127 Arten gemeldet. Es zeigt sich: Die Anzahl gemeldeter Arten und Vögel pro Garten nimmt seit der ersten Zählung 2015 kontinuierlich ab: Waren es 2015 noch 11,6 Arten pro Garten, ist der Wert bis heute beinahe kontinuierlich auf 10,4 Arten gesunken. Die Zahl der gezählten Vögel pro Garten sank von 36 auf 30,5.
Die Ergebnisse aus diesem Citizen-Science-Projekt sind nicht repräsentativ. Es ist möglich, dass die Leute heute «vorsichtiger» melden oder dass das Wetter einen schlechten Einfluss hatte. Allerdings ist der Trend über die vier Jahre ununterbrochen, was dann nicht zu erwarten wäre.

Amsel am weitesten verbreitet

Die Amsel ist erneut in fast allen Gärten anzutreffen, nämlich in 90%. Als nächste folgen Kohlmeise (74%), Haussperling (70%), Elster (58%) und Hausrotschwanz (53%). 2015 kamen all diese Arten noch in deutlich mehr Gärten vor (82, 80, 65 bzw. 63%). Auch in diesen Zahlen zeigt sich also ein  Rückgang.
Auch dieses Jahr zeigt sich zudem, dass Gärten und Pärke mit vielen naturnahen Elementen und ohne exotische Pflanzen mehr Arten beherbergen als strukturarme Flächen. Im «besten» Garten wurden 36 Arten gezählt. Aus Gärten mit mindestens 5 naturnahen Elementen (z.B. einheimischen Bäumen und Büschen, Blumenwiesen oder Asthaufen) wurden im Durchschnitt 12,4 Arten gemeldet, in Gärten mit weniger als 2 solcher Elemente waren es nur 8 Arten (siehe Ergebnisse).

Der ideale Garten

In Gärten mit einheimischen Bäumen und Büschen und Blumenwiesen leben deutlich mehr Vögel als in anderen Gärten. © BirdLife Schweiz
In Gärten mit einheimischen Bäumen und Büschen und Blumenwiesen leben deutlich mehr Vögel als in anderen Gärten. © BirdLife Schweiz

Vögel benötigen vor allem Nahrung, einen Nistplatz und Schutz vor Störungen und Prädatoren. Als Nahrung sind genügend Insekten und andere Kleintiere sowie Samen und Körner vonnöten. Der für Vögel ideale Garten oder Park enthält daher alte Bäume, einheimische Sträucher, ein Stück Blumenwiese und eine Wasserstelle. Auch Kleinstrukturen wie Asthaufen, Steinmauern oder unbewachsene Stellen sind wichtig. Nistkästen sind ein zusätzlicher positiver Faktor. Mit solcherlei Elementen kann jede und jeder mithelfen, den Siedlungsraum wieder vogelfreundlicher zu gestalten. BirdLife Schweiz hält unter www.birdlife.ch/garten zahlreiche kostenlose Informationen und Anleitungen bereit.

Weitere Infos zur Aktion «Stunde der Gartenvögel»: www.birdlife.ch/gartenvoegel

 

Resultate

Total Meldungen: 1159
Durchschnittliche Anzahl Arten pro Meldung: 10.4
Höchste gemeldete Anzahl Arten: 36
Total gemeldete Arten: 127
Total gemeldete Individuen: 35399

Durchschnitt Arten in Gärten mit:
– Vielen einheimischen Büschen: 11 (n=872), ohne: 8.4 (n=287)
– Einheimischen Bäumen: 10.5 (n=993), ohne: 9.6 (n=166)
– Blumenwiesen: 11.2 (n=693), ohne: 9.2 (n=466)
– Teich: 11.4 (n=345), ohne: 9.9 (n=814)
– Kies- und Sandflächen: 11.4 (n=248), ohne: 10.1 (n=911)
– Nistkasten: 11.7 (n=622), ohne: 8.9 (n=537),
– Holzhaufen: 11.8 (n=501), ohne: 9.3 (n=658)

Durchschnitt Arten in Abhängigkeit der Anzahl naturnaher Elemente:
– weniger als 2: 8 (n=128)
– mind. 2: 10.7 (n=1031)
– mind. 3: 11.1 (n=864)
– mind. 4: 11.8 (n=642)
– mind. 5: 12.4 (n=386)

Bester Garten:
36 Arten, 7 naturnahe Elemente (viele einheimische Büsche, einheimische Bäume, Blumenwiese, Teich, Kies- und Sandflächen, Nistkasten, Holzhaufen)

Häufigste Arten:

Anz. Meldungen
% GärtenAnz. IndividuenArt
1104090%3150Amsel
285374%2272Kohlmeise
380970%5489Haussperling
467458%1584Elster
561853%1172Hausrotschwanz
657049%1291Blaumeise
754047%1666Rabenkrähe
854047%1215Buchfink
947641%1067Türkentaube
1045039%807Mönchsgrasmücke
1144638%1899Star
1236031%787Rotmilan
1333529%1583Mauersegler
1432328%714Grünfink
1528324%1487Mehlschwalbe
1628024%572Rotkehlchen
1727023%747Stieglitz
1822920%483Ringeltaube
1919617%352Mäusebussard
2019417%295Buntspecht

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