Strasse macht Platz für die Natur

  • Dominique Haiden
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11Dank dem definitiven Rückbau einer Strasse zwischen Mategnin (Meyrin/GE) und Frankreich entsteht ein grosses zusammenhängendes Naturschutzgebiet − eine Premiere in der Schweiz. Pro Natura, der Kanton Genf und die betroffenen Gemeinden der Schweiz und Frankreichs haben die Baustelle am 7. April 2011 eröffnet. Dank dieser Anpassung wird ein biologisches Netzwerk wieder hergestellt, das durch die Überbauung verloren ging. Auch die Lebensqualität der Anwohner wird dadurch verbessert.

Für die Biodiversität der Schweiz stellt die Zerstückelung der Landschaft eines der Hauptprobleme dar. Manche Tier- und Pflanzenpopulationen können sich kaum fortpflanzen, weil sie durch Strassen und andere Siedlungsflächen voneinander getrennt sind. In Meyrin (GE) wird nun erstmals in der Schweiz eine Strasse zurückgebaut, um zwei ökologisch wertvolle Gebiete miteinander zu verbinden. Die Naturschutzgebiete Marais des Crêts und Marais des Fontaines werden in Zukunft wieder eng vernetzt sein, so dass Tiere und Pflanzen ungehindert wandern können. Erst kürzlich wurden die Feuchtgebiete beidseits der Grenze vergrössert. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Naturlandschaft 15 Hektaren umfassen. Im Gebiet leben verschiedene Amphibienarten, die vom Verkehr besonders beeinträchtigt wurden und zu 70 Prozent auf der Roten Liste stehen. Die Eröffnung der Baustelle erfolgte im Beisein der Vertreter von Pro Natura, der schweizerischen und französischen Gemeinden sowie der Genfer Staatsrätin Michèle Künzler.

Auch die Bevölkerung profitiert vom Projekt, da ein grosser Bereich für Erholungssuchende vorgesehen ist. Pierre-Alain Rumley, Mitglied des Zentralvorstands von Pro Natura und ehemaliger Direktor des Bundesamts für Raumentwicklung, erklärt: „Dieses Projekt kommt wie gerufen. Die Schweiz erstickt unter Beton, die Verstädterung muss stärker kontrolliert werden. Es braucht ein Gleichgewicht zwischen hoher Lebensqualität für die Menschen und genügend Raum zur Erhaltung der Biodiversität. Die Gemeinde Meyrin und ihre Partner zeigen exemplarisch, welche Lösungen in einer dicht bebauten Region möglich sind.“ Der Verlust natürlicher und landwirtschaftlicher Flächen geht in beängstigendem Tempo voran: Pro Sekunde verschwindet fast ein Quadratmeter. Deshalb lanciert Pro Natura dieses Jahr die Kampagne „Landschaften fürs Leben“. Die Vernetzung der Feuchtgebiete von Mategnin ist dafür ein Vorzeigebeispiel.

Weitere Informationen

Pro Natura

Landschaften fürs Leben

Bild: Pro Natura/Studioregard.ch

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