Die neu entdeckte, schneckenfressende Schildkröte, Malayemys isan. © Montri Sumotha
Die neu entdeckte, schneckenfressende Schildkröte, Malayemys isan. © Montri Sumotha

«Stranger Species» – 115 neue Arten entdeckt

  • Julia Hatzl
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Eine Krokodilschwanzechse, eine schneckenfressende Schildkröte und eine Hufeisen-Fledermaus, die gut in einen Star-Wars-Film passen würde: Das sind drei der 115 neuen Arten, die 2016 in der Gross-Mekong-Region entdeckt wurden. Dies geht aus einem Bericht hervor, den der WWF heute publiziert hat.

Im heute veröffentlichten Bericht «Stranger Species» wird die Arbeit von Hunderten von Wissenschaftlern von Universitäten, Naturschutzorganisationen und Forschungsinstituten aus der ganzen Welt dokumentiert. Sie haben in Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam elf Amphibien, zwei Fische, elf Reptilien, 88 Pflanzen und drei Säugetiere entdeckt, wie ein neuer Bericht des WWF zeigt.

Unter den neu enteckten Arten befinden sich auch ein prachtvoll gefärbter Frosch, der in Vietnam gefunden wurde, zwei Maulwurfsarten sowie eine Fischart aus Kambodscha, deren langgestreckter Körper ein blasses Streifenmuster aufweist. Damit wurden in dieser Region im Zeitraum 1997 bis 2016 insgesamt 2524 neue Arten von Pflanzen, Vögeln, Säugetieren, Reptilien, Fischen und Amphibien entdeckt. «Mehr als zwei neuen Arten pro Woche und insgesamt über 2500 in den letzten 20 Jahren: Das zeigt, wie enorm wichtig die Gross-Mekong-Region für die weltweite Biodiversität ist», erklärt Doris Calegari, Biodiversitätsverantwortliche beim WWF Schweiz.

Besonders eindrücklich sind die folgenden Arten:

  • Eine Berg-Fledermaus, Rhinolophus monticolus, die in einigen Wäldern in Laos und Thailand zu finden ist. Ihre hufeisenförmige Gesichtsstruktur – die unter der Bezeichnung Nasenblatt bekannt ist – erinnert an die Figuren, die in der berühmten Cantina in Star Wars verkehren.
Rhinolophus monticolus. © Pipat Soisook
Rhinolophus monticolus. Zum Vergrössern bitte anklicken. © Pipat Soisook
  • Die Krokodilschwanzechse, Shinisaurus crocodilurus vietnamensis, ist eine mittelgrosse Echse, die in abgelegenen Gebieten im Süden Chinas und Norden Vietnams vorkommt. Aufgrund des Handels mit Haustieren und der Zerstörung ihres Lebensraums durch den Kohlebergbau ist sie stark gefährdet. Ihr Bestand soll auf 200 Tiere geschrumpft sein.
Shinisaurus crocodilurus vietnamensis. © Thomas Ziegler
Shinisaurus crocodilurus vietnamensis. Zum Vergrössern bitte anklicken. © Thomas Ziegler
  • Die schneckenfressende Schildkröte, Malayemys isan, wurde nicht in einem Fluss oder Wald entdeckt, sondern auf einem lokalen Markt im Nordosten von Thailand. Gemäss dem Wissenschaftler, der sie gefunden hat, ist die Schildkröte durch Infrastrukturbauten wie Staudämme und Talsperren bedroht. Er ersucht dringend darum, die Schildkröte durch die thailändische Gesetzgebung schützen zu lassen.
Die neu entdeckte, schneckenfressende Schildkröte, Malayemys isan. © Montri Sumotha
Malayemys isan. Zum Vergrössern bitte anklicken. © Montri Sumotha
  • Ein buntfarbiger Frosch, Odorrana Mutschmanni, ist eine von fünf neuen Arten, die von einem Forschungsteam im Norden von Vietnam entdeckt wurden. Diese Spezies sind durch die Zementgruben und den Strassenbau bedroht.
Odorrana mutschmanni. Zum Vergrössern bitte anklicken. © Cuong T. Pham
Odorrana mutschmanni. Zum Vergrössern bitte anklicken. © Cuong T. Pham

In der Gross-Mekong-Region herrscht ein starker Entwicklungsdruck durch Bergwerke, Strassen und Staudämme, der den Fortbestand der einzigartigen Naturlandschaften bedroht. Zusätzlicher Druck entsteht durch die Wilderei zur Gewinnung von Buschfleisch und durch den illegalen Handel mit Wildtieren im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Zahlreiche Arten könnten deshalb aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

«Je mehr neue Arten wir entdecken, die für die Wilderer interessant sein könnten, desto entschiedener müssen wir für den Schutz der Lebensräume und die Ausbildung von Wildhütern eintreten. Nur so lässt sich verhindern, dass mehr Arten auf den Märkten als in der Natur zu finden sind. Und wir müssen die Behörden dazu veranlassen, die Märkte zu schliessen, die bedrohte Arten verkaufen, und die internationalen Gesetze und Regelungen zur Bekämpfung dieses Phänomens zu verschärfen», betont Doris Calegari.

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