In einem Fichtenwald tönt es anders als in einem Mischwald. | © SCA Deutschalnd, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
In einem Fichtenwald tönt es anders als in einem Mischwald. | © SCA Deutschalnd, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Stimmen der Natur als Zeichen für ihre Vielfalt

  • Cécile Villiger
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Ein freiburgisches Forscherteam erfasst mit neuem Ansatz die Biodiversität. Durch Tonaufnahmen von verschiedenen Ökosystemen werden Rückschlüsse auf die jeweilige biologische Artenvielfalt geschlossen. Dabei wird untersucht, ob die anthropogene Nutzung der Lebensräume einen Einfluss auf die Klanglandschaft hat.

Eine Wiese sieht nicht nur anders aus als ein Wald, er tönt auch anders. Mit Änderung des Ökosystems verändern sich auch ihre Geräusche. Wissenschaftler der Universität Freiburg sind den Klängen auf der Spur. Sie wollen herausfinden, ob die akustische Vielfalt mit der Biodiversität korreliert und ob die Intensität der Landnutzung die akustische Vielfalt eines Lebensraum beeinflusst.

Dazu installierten die Forscher 300 Mikrofone, die alle zehn Minuten eine Minute Naturgeräusche aufnehmen. Die Abdeckung der Frequenzen geht bis in den Ultraschall – so können auch die Geräusche von Fledermäusen aufgenommen werden. Die Mikrofone sind in verschiedenen Gebieten in Deutschland installiert (Schwäbischen Alb, im Nationalpark Hainich in Thüringen und im brandenburgischen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin), in 300 Geländestücken. In diesen Regionen ist die Natur schon recht gut erforscht und dokumentiert. Folglich können die Audioaufnahmen mit den bereits vorhandenen Daten verglichen werden, als Test ob die neue Methode funktioniert. Die „abgehörten“ Geländetypen variieren in ihrer Bewirtschaftung, so gibt es zum Beispiel gedüngte und ungedüngte Wiesen unter den untersuchten Flächen. Nährstoffreiche Wiesen haben eine geringere Pflanzenvielfalt und sind weniger farbig, was wiederum weniger Insekten anzieht, was einen Einfluss auf die Vögel in diesem Lebensraum hat. All dies kann man hören.

Das „Lausch-Projekt“ in  hat im Sommer 2015 begonnen, ein Jahr lang wurden die Stimmen der Natur aufgenommen. So entstanden 30 Jahre kontinuierliche Tonaufnahmen. Diese riesigen Datenmenge werden nicht angehört, sondern per Computer in Klangbildern, sogenannten Spektrogrammen, umgerechnet und so ausgewertet. Am Schluss soll eine Zahl die Vielfalt des jeweiligen Lebensraums angeben. Die Analyse der Aufnahmen ist noch nicht beendet. Wenn die Methode funktioniert, kann das Erfassen der Artenvielfalt ohne grosse Eingriffe vom Menschen geschehen, es müssten nur Mikrofone installiert werden.

Die Nischenhypothese
Vögel singen, Grillen zirpen, Frösche quaken… was nach Chaos tönt ist eine geordnete Sinfonie. Jede Art hat ihre eigene Frequenz, ihren eigenen Rhythmus oder ihr eigenes Zeitfenster. Dies ist auch wichtig, damit der potentielle Sexualpartner oder Rivale die Stimme auch hört. Vor über 40 Jahren hat der Musiker und Biologe Bernie Krause Klanglandschaften untersucht und erstmals „Biofonien“ aufgenommen. Dabei merkte er, dass jede Stimme seinen Platz hat und formulierte die Nischenhypothese. So sind auch erste Ideen für die neue Disziplin der sogenannten „Soundscape Ecology“ entstanden.

Möchten Sie mehr zum Thema „Soundscape Ecology“ erfahren, ist die Wissens-Sendung „Klang der Natur“ von SWR2 empfehlenswert.

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