Sterbehilfe für Wolf?

  • Barbara Darani
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wolf4Der WWF verlangt eine Umverteilung der Direktzahlungen für die Sömmerung von Schafen und eine Stärkung des Herdenschutzes. Statt die Behirtung und den Herdenschutz konsequent zu fördern, wird jedes einzelne Schaf subventioniert. Bund und Kantone setzen falsche Anreize und nehmen damit dem Wolf den Lebensraum.

Die Schweiz erlebt einen heissen Wolfs-Sommer. Verhältnismässig früh und gleich in verschiedenen Landesgegenden wurden schon gegen 100 Schafe gerissen. In Luzern erteilte die Staatskanzlei am 3. August eine Abschussbewilligung für einen im Entlebuch aktiven Wolf. Im Wallis fallen derzeit zwei Wölfe wegen Rissen auf. Ihr Abschuss ist gemäss Wolfskonzept des Bundes nur noch eine Frage der Zeit.

„Der streng geschützte Wolf wird damit zum Sündenbock“, sagt WWF-Experte Kurt Eichenberger. „Das müsste nicht sein. Die Schweiz hat einen sehr wirksamen und erfolgreichen Herdenschutz. Nur gehen diesem die Mittel aus.“ Zudem sind die Anreize in der Schweizer Landwirtschaftspolitik falsch gesetzt. Quantität kommt vor Qualität. Die massive und zu wenig differenzierte Subventionierung von Schafen verhindert die Koexistenz von Schafen und Wolf und leistet Isegrim Sterbehilfe. An vielen Schweizer Orten stossen Wölfe auch heute, fast 15 Jahre nach ihrem Auftauchen, noch auf ungeschützte Herden, nutzen die leichte Beute und werden dafür abgeschossen.

Der WWF fordert darum, dass Risse von ungeschützten Schafen in Präventionszonen des Bundes nicht mehr abgegolten werden. „Keiner darf dafür belohnt werden, dass er seine Schafe wissentlich über Jahre hinweg ungeschützt in Wolfsgebieten belässt“, sagt Eichenberger. Zudem muss die Sömmerungsbeitragsverordnung abgeändert werden: die Zahlungen der unterschiedlichen Sömmerungsarten müssen stärker abgestuft, die Haltung von ungeschützten Schafen nur in besonderen Fällen unterstützt und die Alpen besser kontrolliert werden. Zusätzlich fordert der WWF, die Sömmerungsbeitragsverordnung um eine Kategorie „Behirtung mit Herdenschutz“ zu erweitern und so die verfügbaren Mittel gezielter einzusetzen. Behirtung und Herdenschutz dienen zudem auch der Aufwertung der Ökologie: Im Sömmerungsgebiet entsteht durch eine gezielte Beweidung weniger Schaden an Jungwald, Wild und Weiden.

Medienmitteilung WWF

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