© Schweizerische Vogelwarte Sempach
© Schweizerische Vogelwarte Sempach

Steinkauz-Revier: Qualität ist wichtiger als Quantität

  • Mélanie Guillebeau
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Mosaikartige und extensiv bewirtschaftete Landwirtschaftsgebiete bieten für den Steinkauz die optimale Grundlage für die Jungenaufzucht. Zu diesem Schluss kommen Fachleute der Schweizerischen Vogelwarte aufgrund ihrer Untersuchungen.

Während eines Monats umsorgen Steinkäuze ihre – im Durchschnitt drei bis vier – Jungen, bevor sie in die Selbstständigkeit entlassen werden. Bei der elterlichen Fürsorge steht die Futterversorgung natürlich an erster Stelle und bedingt ein regelmässiges Ausfliegen der Eltern zur Jagd. In ihrem favorisierten Lebensraum, den Obstgärten und landwirtschaftlichen Kulturen, erbeuten sie dabei unter anderem Käfer, Regenwürmer, Grillen, Feldmäuse und Reptilien.

© Marcel Burkhardt
Der Steinkauz füttert seine Jungen mit Mäusen, grossen Insekten (im Bild eine Raupe) und anderen kleinen Tieren. | © Marcel Burkhardt

Fachleute der Vogelwarte Sempach am Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau haben erforscht, inwiefern sich die Wahl des Reviers auf die Nahrungsbeschaffung und indirekt die Jungenaufzucht des Steinkauzes auswirkt. Zu diesem Zweck haben sie Steinkauz-Weibchen mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre „Futterflüge“ aufgezeichnet.

Weniger Nahrung in intensiv genutzten Gebieten

Die Auswertungen zeigen, dass in monotonen Agrarlandschaften die Steinkäuze auf ihrer Futtersuche eine sechs Mal grössere Fläche abdecken als in mosaikartigen, abwechslungsreichen Lebensräumen. Der Grund für die weit gesteckten Reviere ist das verminderte Nahrungsangebot in intensiv bewirtschafteten Gebieten. So kommt es, dass ein Weibchen für jedes Beutetier zweieinhalb Mal so weit fliegen muss, im Vergleich zu vielfältigen Lebensräumen.

„Unsere Studie zeigt, wie wichtig strukturreiche Inseln in den eintönigen Landwirtschaftsgebieten sind“, bemerkt Studienleiter Martin Grüebler von der Vogelwarte Sempach.

Hinzu kommt, dass trotz des grossen Reviers die Jungen in intensiv genutzten Agrargebieten weniger oft gefüttert werden. In der Folge ist die Nahrungsversorgung der Jungen in „guten“ Revieren effizienter und umfassender, was sich in einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit widerspiegelt.

Qualität geht über Quantität

Somit lässt sich sagen, dass kleinere, extensiv bewirtschaftete Gebiete mehr Beutetiere beheimaten und dadurch optimale Lebensräume für Steinkäuze darstellen. In intensiv genutzten Agrarlandschaften umspannen die Reviere aufgrund des geringeren Nahrungsangebotes ein grosses Gebiet, wodurch mehr Energie und Zeit für die Jagd aufgewendet werden müssen. Kurzum: Bei der Revierwahl geht für den Steinkauz Qualität über Quantität.

Übrigens können Sie die Aufzucht der Waldkäuze – eine verwandte, aber weit grössere Eulenart -live mitverfolgen. Denn es wurden gleich an zwei Standorten Kameras installiert: Einerseits in Berlin, wo vier kleine Käuze heranwachsen; andererseits sind fünf Jungkäuze in Bayern zu bestaunen. Die Webcams finden Sie auf der Website des NABU.

Die gesamte Studie „Time and travelling costs during chick-rearing in relation to habitat quality in Little Owls Athene noctua“ von Staggenborg et al. wurde im IBIS veröffentlicht. Die originale Medienmitteilung finden Sie auf der Website der Schweizer Vogelwarte.

1 Kommentar

  • J. Waldner

    schade dass der Hinweis zu den Webcams zu spät kommt…

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