Standortbestimmung der Waldeigentümer

  • Monika Jung
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waldAus Anlass des Internationalen Jahres des Waldes 2011 führte Waldwirtschaft Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern im Dählhölzliwald ein Mediengespräch durch. Verbandsvertreter nahmen dabei eine Standortbestimmung aus Waldeigentümersicht vor.

Die Waldeigentümer tragen die wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Verantwortung für den Schweizer Wald und betreiben für die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes einen erheblichen Aufwand. Die Bedeutung des Waldes und der Leistungen der Waldeigentümer geht weit über die messbaren volkswirtschaftlichen Grössen und die Produktion von Holz hinaus. Der Wald ist ein prägendes Landschaftselement sowie ein intensiv genutzter Erholungsraum und bringt eine unbezahlbare Schutzleistung vor Naturgefahren. Um langfristig eine optimale Wirkung sicherzustellen, muss der Schutzwald fachmännisch gepflegt werden, was einen hohen Aufwand bedingt. Ausserdem ist der Wald ein naturnaher Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. In Sachen Biodiversität, Naturnähe und Nachhaltigkeit erbringen die Schweizer Waldeigentümer im internationalen Vergleich hervorragende Leistungen. Dem Dachverband der Waldeigentümer ist es ein wichtiges Anliegen, dass die bedeutenden öffentlichen Leistungen des Waldes durch die Nutzniesser bzw. die Öffentlichkeit finanziell besser abgegolten werden. Ebenso wichtig ist die Forderung nach einem genügenden unternehmerischen Handlungsspielraum in der Holzproduktion.

Die Frage des Status und des Schutzes der Waldfläche in der Schweiz erhält ausgerechnet im Internationalen Jahr des Waldes eine ungeahnte Dynamik. Im Rahmen einer laufenden Revision des Waldgesetzes soll der Waldflächenschutz in denjenigen Gebieten flexibilisiert werden, wo sich der Wald ausbreitet, also vor allem im Gebirgsraum. Waldwirtschaft Schweiz unterstützte in der Vernehmlassung dieses Vorhaben. Landwirtschaftskreise stellen jetzt aber die gesamte Waldflächenpolitik zur Disposition. Die Waldflächenpolitik soll aus dem Waldgesetz herausoperiert und in die Raumplanung transferiert werden. Diese Entwicklung löst bei den Waldeigentümern Unbehagen und
Widerstand aus. Es ist zu befürchten, dass unter dem Regime der Raumplanung der Schutz der Waldflächen aufgeweicht wird. Der Druck auf die Waldflächen im Mittelland, wo der
Landhunger für Siedlungen, Gewerbe und Infrastrukturbauten enorm ist, würde zunehmen.

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Bild: Malene Thyssen/wikimedia

1 Kommentar

  • Christian Dünki

    Wir haben ein Waldgesetz und kein Forstgesetz, d.h. die Allgemeinheit wird auch im Privatwald nicht „ausserhalb“ (foris=ausserhalb, siehe Endres) stehen gelassen: Unser Wald ist allen zugänglich. Somit hat das Wald-Territorium (zusammen mit den Gewässern und dem Hochgebirge) einen gewissen öffentlichen Charakter. Mit der rasanten Bevölkerungszunahme und dem steigenden Ressourcenverbrauch pro Person nimmt der Druck auf öffentliche Güter zu. Das haben wir im Übergang vom Mittelalter zur Industrialisierung in der Landschaft bereits am Beispiel des Waldes und der Allmende erlebt. Der Wald hat sich daraus gestärkt behaupten können, während die Allmenden verschwanden. Grund ist einerseits der frühe gesetzliche Schutz des Waldes, andererseits die Verschiebung vom solaren Zeitalter zum fossilen. Ob sich der Wald so hätte behaupten können, wenn der Druck ebenso gross gewesen wäre wie in der Landwirtschaft (Bevölkerungswachstum und Hungersnöte im 18. und 19. Jahrhundert) darf bezweifelt werden.
    Auf jeden Fall wird der Druck auf den Wald zukünftig wachsen (Bevölkerungszunahme und energietechnisch). Das wesentliche Problem haben wir jedoch in der offenen Landschaft, wo jeden Tag zig m2 fruchtbaren Boden (gewachsen über Jahrtausende) zerstört und versiegelt werden. Wald oder nicht Wald ist nicht so wichtig. Fruchtbar und für die Allgemeinheit nützlich ist zentral. Wenn man sieht, was die Raumplanung da macht, dann wird klar, dass der Wald nicht zur Raumplanung wechseln darf.

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