Stabile Luchspopulation

  • Silvan Kaufmann
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luchs_pixelioDurch ein Fotofallen-Monitoring im Frühling 2009 und mit weiteren Fotofallen an Wildtierrissen konnten in der Nordostschweiz insgesamt fünf erwachsene Luchse festgestellt werden.

Im Frühling 2008 wurde im Rahmen des Projekts LUNO zum letzten Mal ein Luchs in die Nordostschweiz umgesiedelt. In diesem Frühjahr wurde nun im LUNO-Projektperimeter (Kantone AI, AR, SG, TG und ZH) ein Fotofallen-Monitoring durchgeführt, um den Bestand der Luchse zu kontrollieren. Während 70 Tagen waren an 54 Standorten Fotofallen im Einsatz. Zudem wurden einzelne weitere Fallen bei Wildtierrissen platziert.

Während des Monitorings wurden in den Kantonen St. Gallen und Zürich fünf Luchse nachgewiesen. Vier dieser Luchse wurden wiederholt auf Forststrassen und Wechseln erfasst, zwei Tiere wurden zusätzlich an einem Riss nachgewiesen, eine Luchsin wurde zusammen mit ihrem Jungen nur an einem Riss dokumentiert. Alle fotografierten und erwachsenen Luchse waren bereits bekannt (B112, B88, Wero, Noia, Alma). Beide nachgewiesenen Weibchen führten Junge: Alma eines, Noia zwei.

Die Dichte der nachgewiesenen Luchse lag im Referenzgebiet bei 0.6 pro 100 km2. Diese Dichte ist vergleichbar mit anderen Regionen der Schweiz. Zusätzlich zu den nachgewiesenen Luchsen innerhalb des LUNO-Projektperimeters fotografierte ein Wildhüter im Kanton Glarus bei Näfels das Weibchen Aika an einem Riss. Die Luchsin ist seit dem Winter 2003/2004 in dieser Region unterwegs. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie Junge führt.

Nicht fotografiert wurden das Weibchen Nema und das Männchen Turo im Tössstockgebiet. Das Paar hatte seit 2005 regelmässig Junge geführt. Da Turo im Spätherbst 2008 im Rheintal fotografiert worden war und Wero in der diesjährigen Erhebung gleich mehrmals im Gebiet des Tössstocks nachgewiesen wurde, ist davon auszugehen, dass Turo endgültig aus diesem Gebiet verdrängt worden ist. Ob er noch lebt und wo er sich aufhält, ist zurzeit unbekannt.

Von den letztjährigen Jungtieren haben einige grössere Wanderungen unternommen. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich die Luchse auf natürlichem Weg ausbreiten und die Lücken zu den Teilpopulationen in der Westschweiz und in Deutschland/Österreich schliessen können.

Die längste bisher dokumentierte Wanderung eines Schweizer Luchses unternahm im Frühling 2008 das halberwachsene Männchen B132. In den ersten anderthalb Jahren nach seiner Geburt wurde das Jungtier regelmässig im LUNO-Projektgebiet nachgewiesen. Zwischen September 2007 und Februar 2008 wanderte der Luchs bis in den Schweizerischen Nationalpark im Kanton Graubünden. Dort wurde er gefangen und besendert. Dank des Halsbandsenders konnte seine weitere Reise bis in die italienische Provinz Trento, wo er heute noch lebt, verfolgt werden.

Im Winter 2008/ 2009 wurden zwei Jungluchse in der Nordostschweiz überfahren aufgefunden. Bei beiden Tieren konnte anhand genetischer Analysen gezeigt werden, dass es sich um Nachwuchs aus der Population des Projekts LUNO handelt. Das im Dezember 2008 bei Landquart überfahrene Luchsweibchen war mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Nachkomme von Noia und dem Luchsmännchen B112. Vater des im April 2009 bei Tägerwilen (TG) tot aufgefundenen Jungluchses war das 2007 aus dem Jura umgesiedelte Männchen Wero. Die Mutter ist genetisch bisher unbekannt, es könnte sich aber um eine Tochter von Nura mit Jahrgang 2005 handeln.

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