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Spektakuläre Suone wiederhergestellt

  • Silvan Kaufmann
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torrentneuf1 torrentneuf2Mit Unterstützung des Fonds Landschaft Schweiz FLS bemüht sich eine  initiative Vereinigung um die Erhaltung der traditionsreichen Suone namens Torrent Neuf. Sie führte fünf Jahrhunderte lang über schwindelerregende Kunstbauten Wasser aus einem Seitental der Rhone nach Savièse. Nun ist ein erstes Teilstück wiederhergestellt und ein Wanderweg mit Hängebrücke gebaut.

 „Die Bisse de Savièse wurde das kühnste Abenteuer, das je, wenigstens im Wallis, zur Bewässerung unternommen wurde.“ So kommentierte vor bald zehn Jahren das Standardwerk über die Suonen des Wallis den 1430 getroffenen Entscheid zum Bau der Bisse du Torrent Neuf (auf Deutsch: neuer Gebirgsbach, reissender Strom). Diese „ausserordentlichste Suone des Wallis“ führt aus dem Tal der Morge auf einem kühnen, 7,5 Kilometer langen Weg viel Wasser zu den Wiesen und Rebbergen am Hang oberhalb Savièse (bei Sion).

Durch die Felswände der Branlires wurden 1518 für das Wässerwasser und den zugehörigen Unterhaltsweg hölzerne, über dem Abgrund hängende Kunstbauten erstellt. Dank solchen schwindelerregenden Konstruktionen lieferte die Bisse du Torrent Neuf genug Wasser, um mehrere Teiche und Verteilleitungen zu speisen. Weil aber der Unterhalt der Bisse sehr aufwändig und gefährlich war, wurde ihr exponiertestes Teilstück 1935 in einen 4,7 Kilometer langen Tunnel durch den Prabé verlegt – und damit waren die spektakulärsten Abschnitte des alten, oberirdischen Laufs der Bisse du Torrent Neuf stillgelegt und dem Zerfall preisgegeben.

Doch vergessen ging das historische Bauwerk nicht. Vor zwanzig Jahren begannen die Überlegungen zur Wiederbelebung dieses kulturellen Erbes, eines eindrücklichen Zeugnisses des Überlebenskampfes und der Gemeinschaftsleistung früherer Generationen. Und im Jahr 2005 wurde die Vereinigung  zur Erhaltung des Torrent Neuf gegründet. Sie hat sich unter dem Präsidium von Patrick Varone das Ziel gesetzt, den Weg entlang der Bisse auf einer Länge von 3,7 km zu sanieren und zwei Abschnitte der Bisse wiederherzustellen. Damit wird die Bewässerung einiger Wiesen ermöglicht; zudem soll das künftig wieder sprudelnde Wässerwasser auch einem Moor von nationaler Bedeutung zugute kommen.

Eidgenossenschaft gegründet – hat dem auf 2,2 Millionen Franken veranschlagten Projekt einen Beitrag von 330’000 Franken zugesagt. Die vom Bundesrat gewählte FLS-Kommission unter dem Präsidium des früheren Bieler Nationalrats Marc F. Suter will damit die fachgerechte Sanierung der Wasserleitung in traditioneller Bauart ermöglichen. Der FLS-Beitrag ist aber auch für Planungs-kosten und den Bau der spektakulären Passerelle von Branlires bestimmt.

Am Wochenende vom 22./23. August 2009 hat nun die erste Etappe des Projekts abgeschlossen und eingeweiht werden können. Neben dem FLS unterstützen auch die Loterie Romande, die Stiftung Pro Patria und die Stiftung für Landschaftsschutz SL das Projekt. Für die verbleibenden Bauvorhaben werden weitere Geldgeber und neue Mitglieder für die Vereinigung zur Erhaltung des Torrent Neuf gesucht. Bereits wiederhergestellt ist unter anderem ein mehr als ein Kilometer langes Wegstück entlang der traditionsreichen Bisse in der Nähe der Kapelle Sainte Marguerite; im steilen, felsigen Gelände war dafür unter anderem auch der Bau einer filigranen Hängebrücke erforderlich.

Die beiden FLS-Kommissionsmitglieder Bernard Jacquat und Natacha Litzistorf, die das Projekt beratend begleiten, haben sich vor Ort vom erfreulichen Fortschreiten der gefährlichen, aber gut gesicherten Bauarbeiten überzeugt. Ihr Fazit nach Abschluss der ersten Bauetappe: „Das Resultat ist spektakulär.“

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