Foto: SVS/BirdLife Schweiz
Foto: SVS/BirdLife Schweiz

Spatz ist Vogel des Jahres 2015      

  • Benjamin Kämpfen
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Der Haussperling ist vom SVS/BirdLife Schweiz zum Vogel des Jahres 2015 gewählt worden. Die vermeintliche «Allerweltsart» ist in manchen Gebieten der Schweiz in den letzten dreissig Jahren in ihrem Bestand um 20 bis 40 Prozent zurückgegangen. Die Wahl zum Vogel des Jahres soll darauf aufmerksam machen, dass mehr Natur im Siedlungsraum für den Haussperling, viele andere Arten und den Menschen dringend nötig ist.

Ursprünglich in Asien und dem Mittelmeerraum beheimatet, ist der Haussperling heute bis auf wenige Ausnahmen auf der ganzen Welt anzutreffen. Er folgte dem Menschen auf seinen Reisen oder wurde absichtlich auf anderen Kontinenten eingebürgert. Als eigentlich anpassungsfähiger Kulturfolger ist er überall dort anzutreffen, wo er Nist- und Nahrungsmöglichkeiten vorfindet, so in Dörfern, Vorstadtbezirken, Gartenstädten oder Stadtzentren mit grossen Parkanlagen.

Wohnungsnot beim Haussperling

In unseren Breitengraden ist der Haussperling praktisch ein reiner Höhlenbrüter. Er nistet oft kolonieweise in Nischen und Höhlen an Gebäuden, in Nestern von Schwalben oder in Nistkästen. Die Männchen werben intensiv um die Weibchen. Am meisten Erfolg haben dabei die Männchen mit dem grössten schwarzen Brustlatz.

Die moderne Bauweise bietet für den Spatz leider kaum noch geeignete Nistplätze. Bei Renovationen von alten Häusern werden Nischen oft verschlossen. Der Haussperling gerät damit zunehmend in Wohnungsnot. Zudem bietet die Aussenraumgestaltung mit immer mehr versiegelten Flächen und vielen exotischen Pflanzen deutlich weniger Nahrung in Form von Insekten und Sämereien. Dies führt dazu, dass die Bestände des Haussperlings in vielen europäischen Ländern abnehmen. In England musste die Art sogar in die Rote Liste der gefährdeten Vogelarten aufgenommen werden. In der Schweiz sind die Bestände gebietsweise seit 1980 um 20 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Botschafter für mehr Natur im Siedlungsraum

Mit einfachen Massnahmen kann dem Hausspatz geholfen werden. Wichtig ist es, bei Renovationen die Einschlupflöcher und Brutnischen zu erhalten oder durch Nisthilfen zu ersetzen. Auch an neuen Gebäuden können Nistmöglichkeiten integriert werden. Begrünte Wände dienen als Nist- und Schlafplätze. Mit Blumenwiesen, einheimischen Büschen und Sträuchern kann das Nahrungsangebot in Form von Sämereien und Insekten in Gärten und öffentlichen Räumen wieder erhöht werden. Von diesen Massnahmen profitiert nicht nur der Haussperling, sondern allgemein die Biodiversität im Siedlungsraum, was auch zu einer verbesserten Lebensqualität des Menschen führt.

Einst verehrt, dann verfolgt

In der Antike wurde der Haussperling verehrt, dann änderte sich sein Ruf und er wurde als Schädling im Getreidebau angesehen. Dies gipfelte in China unter Mao Tse-tung darin, dass auf seinen Befehl hin annähernd 2 Milliarden Sperlinge getötet wurden, was eine Insektenplage zur Folge hatte. Diesem schlechten Ruf konnte sich der Hausspatz zum Glück vielerorts wieder entledigen, da er erwiesenermassen ein guter und vor allem biologischer „Schädlingsvernichter“ ist. Die Bezeichnung „ein herziges Spätzli“ zeigt aber auch die Verbundenheit der Menschen mit dem Hausspatz.
SVS/BirdLife Schweiz

2 Kommentare

  • Manuel K

    Ich nenne meinen Spatz immer Spatz. Mein Spatz hat sich gefreut jetzt Vogel des Jahres zu sein. Das was Mao da gemacht finde ich nicht gut.

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  • Barbara Kümin

    Schöne Wahl! Auch ein Allerweltsvogel wie der Spatz verdient unsere (Be-)Achtung. Ich mag die aufgestellten Gesellen. Ein Satz wie „oh, es brüten leider nur Spatzen im Vogelhäuschen“ käme mir nie über die Lippen. ;)

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