Skandalöse Aktion am Bodensee: Hunderte Kormoran-Eier und Junge verfroren

  • Redaktion Naturschutz
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In der Nacht auf Mittwoch sind im Radolfzeller Naturschutzgebiet (Deutschland) am Bodensee Hunderte Kormoran-Eier erfroren, möglicherweise auch bereits geschlüpfte Jungtiere. Das Freiburger Regierungspräsidium hatte am späten Dienstagabend eine Vertreibungsaktion gestartet, um die Zahl der Kormorane zu dezimieren.

Mit hellen Lampen wurden laut dem SÜDKURIER die schlafenden Vögel angestrahlt und die Elterntiere aus den Nestern vertrieben. Diese versuchten noch, zu ihrer Brut zurück zu kehren, doch die Behördenmitarbeiter verscheuchten sie mehrfach. Erst im Morgengrauen fanden die Tiere dann in ihre Nester zurück, wo die Eier dann nicht mehr brutfähig waren. Gegenüber dem SÜDKURIER erklärte Regierungspräsisiumssprecher Stephan Gutzweiler, dass mit einer 70-prozentigen Tötungsquote gerechnet werde.
Rund 100 Naturschützer und neugierige Bürger scharten sich gestern Nacht am Rande des Aachrieds, um die Vertreibung zu verfolgen. Da der Zeitpunkt der Aktion bis kurz zuvor nicht bekannt gewesen war, konnten die Naturschützer – darunter der NABU und die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) – die skandalöse und beispiellose Aktion nicht mehr verhindern. Die Lampenaktion ging daher ohne Störungen zu Ende, sie dauerte insgesamt rund drei Stunden.
Mittags erst hat das Freiburger Regierungspräsidium entschieden, dass die Kormoran-Kolonie am Radolfzeller Seeufer dezimiert werden darf, wie Fischer dies gefordert hatten. Deren Behauptung: Die Kormorane fressen den See leer, deshalb muss ihre Zahl vermindert werden. Das Regierungspräsidium folgt dieser Auffassung. Naturschutzverbände protestierten vehement gegen die Tötung, hatten jedoch keinen Erfolg. Ein Petitionsantrag im Landtag scheiterte. Ein angepeilter Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht hatte ebenfalls keinen Erfolg, die Zeit war zu knapp für eine Gerichtsentscheidung. Naturschützer fürchten nun, dass weitere Aktionen dieser Art folgen könnten. (sb)

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Protest-Aktion SVS
NABU
OAB

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