Elektroauto

Sind Elektroautos Klimaschützer?

  • Gavino Strebel
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ElektroautoWie das Magazin umwelt aktuell berichtet, können Elektrofahrzeuge Klimaschützer sein, aber nicht so, wie es die Autoindustrie verspricht. Die deutsche Bundesregierung setzt auf elektrische Antriebe, um Verkehr klimafreundlicher zu machen. Private Elektroautos können jedoch nur einen geringen Beitrag für die CO2-Bilanz leisten und auch dafür müssen zuerst die Rahmenbedingungen geändert werden. Trotzdem hat die Elektromobilität eine Zukunft.

Die Ansichten der Umweltschützer zu Elektroautos reichen von vollständiger Ablehnung bis zu freudiger Zustimmung. Gemäss Dr. Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz liegt der Grund für diese extreme Bandbreite darin, dass die Autolobby, die Energieversorger und nicht wenige unbedarfte Politiker das Elektroauto als Rettungsanker für die Atom- oder Kohleenergie und für die Fortschreibung unverträglicher Mobilitätskonzepte missbrauchen wollen. Auf der anderen Seite ist Elektromobilität eine regenerative Alternative zur fossilen Mobilität. Mit ihr seien enorme Effizienzsteigerungen verbunden. Ein Elektroauto, das mit Strom aus dem öffentlichen Netz fährt, so Werner Reh, komme auf fast 50 Prozent Energieausnutzung – mehr als doppelt so viel wie heutige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Hinzu komme die starke Schadstoff- und Lärmminderung in den Städten.

„Das von der deutschen Bundesregierung im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität angestrebte Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 ist durchaus ambitioniert“, so Werner Reh. Die in Deutschland benötigte Strommenge wrüde dadurch um 0,3 % steigen. Der Umwelt nützt der Elektroantrieb allerdings nur dann, wenn stabile ökologische Leitplanken gesetzt werden. Die Ökobilanz und die Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch müssen geklärt sein. So darf gemäss Werner Reh etwa der Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien nicht dazu führen, dass ein Ressourcenproblem beim Öl durch ein neues beim Lithium ersetzt wird. Funktionierende Recyclingverfahren müssten durchgesetzt werden, damit der Ressourcenverbrauch nicht weiter ansteigt.

„Elektromobilität umfasst dabei viel mehr als nur Elektroautos. Durch Elektroautos lassen sich in den kommenden zehn Jahren nur geringe Umweltentlastungen erreichen: Etwa 0,5 bis ein Prozent der CO2-Emissionen können bis 2020 reduziert werden“, berichtet Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Mit elektrisch unterstützten Fahrrädern, sogenannten Pedelecs, liesse sich die Reichweite von Fahrrädern deutlich ausweiten oder in topografisch schwierigen Städten ein hoher Radverkehrsanteil erreichen. Außerdem werde häufig vergessen, dass Elektromobilität bei Straßen-, U- und S-Bahnen seit mehr als hundert Jahren funktioniert und diese ihren Strombezug auf erneuerbare Energien umstellen können. Mehr öffentlicher Verkehr statt Autoverkehr entlaste die Städte von Kohlendioxid, Ruß, Stickoxiden und Lärm. Aber auch die – lokal emissionsfreien – Elektroautos können zur Schadstoff- und Lärmminderung in den Städten einen Beitrag liefern. Dieser wird umso spürbarer sein, wenn die Stadtregierungen die Fuhrparks, Taxi- und Carsharing-Flotten mit Elektroautos ausstatten lassen.

Die deutsche Autoindustrie stand Innovationen bei den Elektroautos meist ablehnend gegenüber. Werner Reh nennt folgende drei Begründungen: Sie seien technisch nicht machbar, zu teuer und von den Kunden nicht gewollt.Sicher steht die Batterietechnik bei der Leistungsdichte und der Lebensdauer vor massiven Problemen. Nichtsdestotrotz gäbe es schon viele einsatzreife Elektromobile wie Pedelecs, Elektroscooter vor allem aus China oder Kleinserien von sogenannten Plug-in-Hybrids, einer Mischform aus Hybrid- und Elektroauto wie dem Renault Kangoo Elect’road. Die Batteriekosten müssen allerdings noch um den Faktor zwei oder drei sinken, bis die Fahrzeugpreise breit akzeptiert werden.

„Fahrzeuge wie der mit 55 Kilowattstunden Speicherkapazität betriebene, 250 PS starke Tesla Roadster oder der Elektro-Mini von BMW werden kaum die Straßen der Zukunft bevölkern“, so Reh im Magazin umwelt aktuell. Der E-Mini hat nur zwei Sitze, weil die 260 Kilogramm schwere Batterie mit 204 PS Leistung zu viel Platz in diesem 1,5-Tonnen-Auto wegnimmt. „Solche Modelle sind eine Fortsetzung der Energieverschwendung, nur mit anderem Antrieb.“, so Werner Reh. Ebenfalls zu bedenken sei, dass der Aufwand für die Fahrzeugherstellung bei Elektrofahrzeugen wegen der Batterieproduktion wesentlich höher ist als bei herkömmlichem Antrieb. Sie sind deshalb nur bei der Nutzung zusätzlicher erneuerbarer Energien wirklich besser als konventionelle Fahrzeuge.

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