Nebst dem Schneepflug wird in der Schweiz vor allem Salzstreu gegen Schnee und Eis eingesetzt - trotz ökologischer Alternativen. | © Jeroen Kransen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Nebst dem Schneepflug wird in der Schweiz vor allem Salzstreu gegen Schnee und Eis eingesetzt - trotz ökologischer Alternativen. | © Jeroen Kransen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Schweizer setzen auf Streusalz trotz ökologischer Alternativen

  • Mélanie Guillebeau
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Im Kampf gegen Schnee und Eis sind Bimsstein und CMA ökologisch unbedenkliche Alternativen zu Streusalz und Kiessplit. In Skandinavien und den USA wird seit Jahrzehnten daurauf zurückgegriffen. Schweizern bleibt der Gebrauch aufgrund veralteter Verordnungen vorenthalten.

Die meisten wünschen sich schon den Sommer herbei und mögen kaum einen Gedanken an den nächsten eisigen Winter verschwenden: Wenn wir wieder von Neuem den Gehwegen entlang tapsen, in der Hoffnung nicht mit einer Bruchlandung auf unserem Allerwertesten zu landen. Zumindest können wir uns einiger Hilfsmittel bedienen, um diese Zeit unfallfrei zu überstehen – allen voran Salzstreu und Kiessplit.

Skandinavien und USA vertrauen auf Bims und CMA

Streusalz hilft uns zwar schlimmere Ausrutscher zu vermeiden, belastet aber die Strassen und besonders unsere Umwelt stark. Wie naturschutz.ch bereits berichtet hat, gibt es ökologische Alternativen wie Kiesstreu, Pottasche oder Zucker, nur ist deren Wirkung eingeschränkt oder führt, im Falle des Kiesstreus, zu ungewollten Begleiterscheinungen. Begibt man sich aber weiter in den Norden und tiefer in den Winter und die Kälte hinein, so scheint durchaus eine ökologische als auch funktionelle Variante zu existieren. In Skandinavien werden seit geraumer Zeit Bimsstein und CMA gegen das vorherrschende Eis gestreut – und dies mit Erfolg für Verkehrsteilnehmer und Natur.

Bims & CMA: Ein ökologisches und wirksames Paar

Bimsstein oder kurz Bims ist ein leichtes und glasiges Vulkangestein. Sozusagen ist Bims Lava, die aufgrund der vulkanischen Gase mit unzähligen Poren versetzt ist. Die abgekühlte Magma ist von Natur aus ein sehr guter Wasserspeicher. Bims kann ähnlich zu Kiessplit auf den Strassen gestreut werden, muss anschliessend jedoch nicht arbeitsintensiv zusammengekehrt werden, um das Verstopfen von Kanälen zu verhindern. Im Gegensatz, Bims ist biologisch abbaubar und kann dank seines guten Nebeneffekts als Wasserspeicher in Blumenrabatten erneut Verwendung finden.

Der poröse Bimsstein ist sehr saugfähig und Kombination mit CMA eine ökologische Alternative zu Streusalz. | © skepticalview [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Der poröse Bimsstein ist sehr saugfähig und in Kombination mit CMA eine ökologische Alternative zu Streusalz. | © skepticalview [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

CMA, die Abkürzung für Calcium-Magnesium-Acetat, wird aus Dolomitgestein hergestellt. In der Wirkungsweise ist es mit Salz vergleichbar und führt zum Schmelzen von Eis. Ein wichtiger Unterschied ist aber, dass CMA für Flora und Fauna unbedenklich ist. Beweis dafür sind die Ökolabels „Nordic Swan“ und „Blauer Engel“, welche CMA-haltige Produkte zieren. Auch für Fahrzeuge und Metallkonstruktionen ist CMA vorteilhaft: Salz greift die Oberflächen von Fahrzeugen und Brücken an, wohingegen CMA bezüglich des Schweregrades der Korrosion mit Trinkwasser gleichzusetzen ist.

Kalkhaltiges Dolomitgestein dient als Grundlage für die Herstellung von Calcium-Magensium-Acetat (CMA). | © Pelex [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Kalkhaltiges Dolomitgestein dient als Grundlage für die Herstellung von Calcium-Magensium-Acetat (CMA). | © Pelex [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Die Wirkungsweisen von CMA und Bims ergänzen sich optimal. CMA sorgt für das Schmelzen des Eises, während Bims als Antirutschmaterial dient. Die kombinierte Anwendung von Bims und CMA stellt eine nachhaltige und biologisch abbaubare Alternative zu bisher verwendeten Streumitteln dar – und punktet zudem mit einer länger anhaltenden Wirkung.

Mehrkosten und Bürokratie als Stolpersteine

Aber wie so oft, entscheidet auch hier der Preis über die grossflächige Verwendung der Bims-CMA-Produkte: Die Herstellungskosten sind rund zehn bis zwanzig Mal höher als beim Salz. Diese Mehrkosten werden aber aufgrund des Wegfalls von Korrosionsschäden – welche beim Streuen von Salz kostenintensiv repariert werden müssen – egalisiert. So oder so lohnt es sich, zum Schutz der Natur tiefer in die Taschen zu greifen, schliesslich ist eine intakte Umwelt unbezahlbar.

In der Schweiz gibt es noch ein weit grösseres Hindernis, das es zu überwinden gilt, nämlich die Bürokratie. Der Einsatz von CMA als Zusatz von Bimsstreu ist mittlerweile genehmigt. So steht zum Beispiel EcoGripPlus des Herstellers Vulkatec Schweiz ab kommendem Winter (2017/18) in den Regalen der Migros.

Eine erste Variante eines Bims-CMA-Produktes ist in der Schweiz ab nächstem Winter erhältlich. | © Vulkatec Schweiz
Eine erste Variante eines Bims-CMA-Produktes ist in der Schweiz ab nächstem Winter erhältlich. | © Vulkatec Schweiz

Doch CMA könnte für weit mehr als nur als Beigemisch von Bimsstreu Gebrauch finden, nämlich in der konzentrierten oder flüssigen Anwendung, wie es in Amerika seit 80 Jahren für die Enteisung von Brücken gang und gäbe ist. Über Düsen, die an den Brücken installiert sind, kann das CMA aufgesprüht werden. Stehen Nächte bevor, in denen das Quecksilber unter null sinkt, kann CMA eingesetzt werden, um der Entstehung von Eis vorzubeugen. Folglich könnte CMA der Prävention von Unfällen durch Glatteis dienen. Nur leider ist der Einsatz von flüssigem CMA in der Schweiz verboten.

Gemäss den Behörden scheint CMA im Schweizer Flugverkehr, aber durchaus geeignet und ungefährlich zu sein: Bei Schweizer Flughäfen ist die Nutzung des flüssigen Enteisungsmittels erlaubt, um Lande- und Abflugpisten eisfrei zu halten. Man sollte also meinen, es wäre ein Leichtes die Genehmigung auf die öffentliche Benutzung auszuweiten. Jedoch müssen dazu Kantone und Gemeinden – und wohlgemerkt jede Instanz einzeln – einen Antrag beim BAFU für eine dreimonatige Testperiode einreichen. Dessen Überprüfung und Bewilligung kann dann bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen.

An Schweizer Flughäfen ist der Gebrauch von konzentriertem und flüssigem Calcium-magnesium-Acetat (CMA) erlaubt. | © Steven Vance [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auf Schweizer Flughäfen ist der Gebrauch von konzentriertem und flüssigem Calcium-Magnesium-Acetat (CMA) erlaubt. | © Steven Vance [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Die langjährige, positive Erfahrung mit Bims und CMA in den USA und Skandinavien sollte eigentlich Beweis genug dafür sein, dass die Anwendung unbedenklich ist und gar grosse Vorteile für unsere Sicherheit und den Schutz unserer Natur bringt. Wir können nur hoffen, dass unsere Verwaltung Vernunft walten lässt und die Verwendung von CMA vollumfänglich und in absehbarer Zeit genehmigt.

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